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Saftnasen

Freitag, 13. Januar 2006

Rufen Sie uns nicht an, wir rufen Sie an. Geht gerade nicht anders.

Zwei Gärten weiter wird mal wieder umgebaut, ich nenne das alberne Haus inzwischen die »Never Ever Ranch«, weil ständig ein Turm drangepappt oder einer wieder entfernt wird, ein Wintergarten kommt und geht oder ein Balkon auftaucht. Der undefinierbare Lärmpegel so einer Baustelle wäre leichter zu ertragen, wenn man nicht inzwischen wüsste, dass das noch zwanzig Jahre so weitergehen kann, weil dort irgendwelche Menschen mit viel zu viel Geld und deutlich zu wenig RAM an ihrer Version des Planeten arbeiten.

Eins der Geräusche habe ich allerdings jetzt zuordnen können, es kam mir gleich so nah vor. Mein herumschlurfender allgegenwärtiger Poltergeist hat sich als pubertierender Waldkater entpuppt, der mit beiden Vorderpfoten in ein Ablagekörbchen steigen und damit dann stundenlang herum schieben kann. Es sei denn man guckt um die Ecke (um dem Geräusch auf die Spur zu kommen), dann sieht man nur den unschuldigen, völlig entspannten Rücken eines am Fenster sitzenden schwarzen Katers, der von hinten betrachtet volljährig sein könnte, im Gesicht aussieht wie ein anderthalb Jahre altes Jungtier und doch erst sechs Monate und fast 4 kg alt ist.

Ich habe ihn überhaupt nur mit dem Ablagekörbchen erwischt, weil er größenwahnsinnig wurde und auch noch seine Maus und seinen abgekauten Lieblingsfederpuschelstab mit hineingelegt hat.

Unsere Situation kann katertechnisch noch sehr heiter werden hier, und das sage ich nicht nur, weil Kenzo mir heute Nacht alle Strippen aus der Telefonanlage gerupft hat plus mindestens ein Stromkabel aus dem Kabelhaufen al dente, der für mich fast unerreichbar unter dem PC hinter der Abdeckung liegt. Der nicht katersicheren Abdeckung, aber immerhin hilft sie gegen Staub. Ich bin also telefonisch nicht erreichbar, auch wenn ich selbst telefonieren kann mit einem Gerät, das nicht wirklich an der Anlage hängt.

Zwar könnte ich bis nach ganz hinten unter den Schreibtisch krabbeln, aber ich kann nun mal nicht knien mit dem kaputten Bein, also würde das nicht wirklich viel bringen, was soll ich mich da liegend zwischen den Kabeln herumwälzen? Das ist auch gar nicht mein Job, das machen die zwei- und vierbeinigen Männchen in diesem Haushalt ganz herausragend.

Für heute gilt also: Ich bin per Mail erreichbar und rufe dann zurück.

Kenzo trainiert weiter mit seinem Ablagekörbchen, ich gehe davon aus, dass er sich in der nächsten Trainingsstufe eine Schublade oder gleich einen Bettkasten vornimmt. Wenn er sich mit Miss Peppermint haut, duckt er sich nicht mehr zusammen wie ein Baby, sondern steht er auf den Hinterpfoten wie ein erbostes Erdmännchen und fuchtelt wild in alle Richtungen. Es sieht sehr witzig aus ... ist aber vor allem ein Indiz dafür, dass er beabsichtigt, sehr bald die Oberpfote hier zu haben.

Neulich ist er versuchsweise an Oliver hochgesprungen, wir nehmen an, dass er ihn wegtragen wollte. Nur wohin? Vielleicht in den Schrank, damit er nicht immer zur Arbeit wegfahren kann. Verstehe ich ganz gut. Das ist ein Reflex, den ich auch immer wieder unterdrücken muss. 

# 13. Januar 2006 um 12:48 PM
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Samstag, 07. Januar 2006

Kleine Kater sind auch nur Männer.

Als wir vor zwei Monaten ein verschüchtertes Katerbaby kauften, gingen wir davon aus, jetzt erst mal ein gutes Dreivierteljahr lang ein entzückendes winziges Jungtier bei und mit uns wohnen zu haben. Nicht einen Miniaturluchs, der nach wenigen Wochen schon größer ist und strenger riecht als jede Hauskatze der Umgebung.

Der momentan langbeinig neben mir über die Fensterbank stelzt ist schon jetzt mit knapp fünfeinhalb Monaten fast vier Kilo schwer und so hoch und lang wie Miss Peppermint, nur eben noch nicht ganz so umfangreich. Was vor allem daran liegt, dass die Miss sich ein Kilo Kummerspeck angefuttert hat, seit der Nachwuchs ihr ständig von hinten um den Hals fällt und ihr zärtlich in die Öhrchen beißen möchte. Das findet sie nicht gut.

Mädchen finden das wahrscheinlich generell nicht gut, wenn Jungs grundlos nach ihnen hauen und sie ständig feste schubsen, während Rüpel jeder Behaarungsstufe es offensichtlich für eine grenzgeniale Anmache halten, angebetete Weibchen erst einmal kräftig zu zwacken. Ein Naturgesetz? Ein fehlgeleitetes vielleicht?

Die kleine dicke Dame im Pelzmantel findet seine Belästigungen jedenfalls empörend und faucht anhaltend verstrubbelt. Recht hat sie. Er betet sie trotzdem an.

Krabbelt Miss Peppermint aus ihrem Häuschen, leuchten grüne Kateraugen zärtlich auf und das stramme Kerlchen macht sich sofort auf, seine Herzdame bei nächster Gelegenheit zu zwacken: Ein Paradebeispiel an Unbelehrbarkeit, denn verhauen werden mag er nicht - aber er zwackt weiter.

Dass er es ganz anders meint, ahnt man nur, wenn man beide den ganzen Tag lang sieht und Kenzo dabei beobachten kann, wie er sehnsüchtig an Peppers Rücken schnuffelt, wenn sie auf der Sofabank schläft. Er würde sichtlich gerne zärtlich mit ihr schmusen und kennt trotzdem nur zwei Annäherungsmethoden: Feste zwacken oder stundenlang stumm bewundern. 

Manchmal schafft er es für ein paar Minuten, das Köpfchen in ihr dickes Fell zu betten und sie liegen dann beide entspannt nebeneinander – bis die Teenie-Pfoten zucken und er sie zwackt oder am Schwanz zieht. Scheinbar kann er einfach nicht anders, Peppermint zu triezen ist einfach viel zu schön.

Die Miss trägt es mit Fassung und schaltet innerhalb von Zehntelsekunden auf wohliges Schnurren um, wenn man sie mitten im Geschlechterkampf auf den Arm nimmt.

Sie reinigt dann sorgfältig alle Stellen, die er berührt hat. Kein gutes Zeichen bei einem verehrten Fräulein, doch der Jüngling nimmt das nicht zur Kenntnis. Ist er doch selbst stellenweise hintenuntenrum etwas knuspriger als ein sehr reinliches Tier es sein sollte und muss gelegentlich daran erinnert werden, dass Hygiene zu einem harmonischen Zusammenleben gehört, da fällt ihm so was wohl eher nicht auf.

Ich muss dabei an gewisse männliche Teenager denken, die sich wochenlang nicht waschen wollten, bis erwachsene Teilnehmer am Familien-Quiz im Winter mit dem Gartenschlauch drohten. Am Ende hat sich das Müffeln immer noch ausgewachsen.

Und wenn nicht, dann haben wir zehn bis zwölf prachtvolle Kilo Gestank mit Krallen, die jede Alarmanlage ersetzen.

# 07. Januar 2006 um 05:15 AM
Saftnasen • 2x FeedbackE-MailDrucken





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