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Donnerstag, 19. August 2004

Anleitungen für die Männerjagd

Anleitungen für die Männerjagd gibt es scheinbar reichlich, auch solche von und durch die Exemplare der allgegenwärtigen Gattung der wohlmeinenden Freundin. Mir fällt dazu nur auf und ein, dass immer jene Damen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben meinen, die kaum ihren eigenen Beziehungsmustern folgen können. Umso wohltuender muss es sein, andere zu beraten und ausführliche Gebrauchsanweisungen für den Umgang mit den unbekannten Wesen des anderen Geschlechts durchzukauen, ohne selbst ein Risiko einzugehen. Gespräche darüber, wie lange man als erfahrene sexy Jägerin damit warten muss, ihn wie zugesagt anzurufen, um sich nicht als die heulsusige verzweifelt suchende Sachbearbeiterin zu entpuppen, die man (Beispiel!!) wirklich ist, sind ein richtig schönes Muster direkt aus der Praxis. Wenn Männer solches Geplauder mithören müssten, könnten viele Menschen eine Menge Geld für Verhütungsmittel sparen und stattdessen in ihre Altersvorsorge stecken, denn die Natur hat es aus guten Gründen so eingerichtet, dass wir automatisch davor zurückschrecken, uns mit völlig gestörten Personen zu paaren. Da ist es dann auch völlig egal, ob es schlauer ist, jemanden nicht sofort nach dem Flirt mehrmals am Wochenende telefonisch zu bedrängen – für solche Entscheidungen braucht man halbwegs normalen Menschenverstand, keine Schritt-für-Schritt-Anweisung für künstliche Coolness von theoretisch unbeteiligten Dritten.

Je länger ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich davon, dass die meisten dieser Anleitungsbücher und beratenden Freundinnen das exakte Gegenteil des Gewünschten bewirken. Die Annahme, dass man sich nur nach einem gewissen Muster verhalten muss, um einen möglichst maßgeschneiderten Traumprinzen zu ergattern, führt eigentlich nur dazu, dass Millionen verdammt netter Jungs jeden Alters von in ihre Wunschlisten vertieften Möchtegern-Diven nicht einmal wahrgenommen werden, weil sie zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn oder zu kahl sind, nicht oft genug ins Fitness-Studio gehen, kein schickes Hobby oder es versäumt haben, sich einen prestigeträchtigen Job zuzulegen. Wenn die Damen sich schon so viel Mühe geben, alle natürlichen Verhaltensmuster aus sich herauszuprügeln und taktisch zu agieren, wünschen sie sich selbstverständlich auch ein angemessenes Gegenstück. Jeder anwesende noch atmende Mann wird in Sekundenschnelle durch das Raster im Kopf geschoben. Da ist kein Spielraum für ein unbefangenes Kennenlernen, denn entweder kommt er in Frage oder nicht und wenn er in Frage kommt, setzt die große Taktikmaschinerie ein. Wir verdanken es vermutlich dem glücklicherweise rücksichtsloser durchgesetzten Fortpflanzungsdrang moderner Männchen, dass noch niemand ausgestorben ist.

Wie man es besser macht, weiß ich natürlich auch nicht. Die gute Nachricht ist: Wer sucht, hat heutzutage viel mehr Zeit. Laut der Frauenzeitschrift PETRA scheint die Midlife-Crisis nur ein Märchen zu sein und von ernsthaften Lebensphasen-Problemen sind die Mittelalten nicht öfter betroffen als andere. PETRA: »Früher läutete der 40. Geburtstag den Abschied vom Vergnügen ein. Heute weiß eine Frau, dass 40 werden nicht den Abgesang auf Schönheit und Kinderkriegen bedeutet und dass ein Mensch das ganze Leben wächst und lernt. In der Frauenzeitschrift PETRA vergleicht Entwicklungs-Psychologe Paul Baltes vom Berliner Max-Planck-Institut das Leben mit einer Hügellandschaft, in der sich Höhen und Tiefen abwechseln. Dass der Körper ein bisschen schlapper wird, heiße in keiner Weise, dass die innere Entwicklung welke und die Gefühle Falten würfen.«
(PETRA, 40 ist die neue 30, Pressemitteilung vom 18.08.2004)

»40 ist die neue 30.« Mal so als T-Shirt-Spruch angedacht … ich frage mich, wer den verstehen würde. Männer auch?

# 19. August 2004 um 09:00 AM
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Mittwoch, 18. August 2004

Alltagsrätsel: Jagdanleitungen für Singles von alleinstehenden Frauen

Warum, so fragt man sich doch gelegentlich beim Durchblättern aktueller Listen von Lebenshilfebüchern, warum schreiben eigentlich immer Single-Frauen die klassisch-berüchtigten Ratgeber über das Angeln eines Lebenspartners? Man sollte doch meinen, dass so ein Buch schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit viel besser von einer Frau geschrieben werden könnte, die bereits erfolgreich Beute gemacht und an die Leine gelegt hat. 

Dieses moderne Rätsel der westlichen Kultur kann ich aufklären: Die verheiratete oder sonst wie langfristig verbandelte Frau von heute hat einfach KEINE ZEIT, Flirtanleitungen und Sextipps zu veröffentlichen. Sie ist nämlich durchgehend damit beschäftigt, alle Besitztümer des gemeinsamen Hausstandes immer wieder neu an Orten zu verstauen, an denen man sie auch wieder finden kann. Wieder finden trotz der Mächte der Finsternis.

In der Praxis sieht das beispielsweise so aus, dass sie wiederholt Anlauf nimmt, sämtliche Schränke zu entrümpeln, Klarheit in der Wohnumgebung zu schaffen und den Sperrmüll anzureichern. Nur um am Ende beim Öffnen des zuerst aufgeräumten Schranks festzustellen, dass ER in den letzten 48 Stunden dort seine Verpackungsmaterialvorräte und acht Jahrgänge PC-Zeitungen zwischen die Hemden gestapelt hat. Glücklich über den vielen Platz dort, den er ganz alleine gefunden hat, wird er nicht verstehen, warum sie nun den Rumpelstilzchen-Dance vollführt.

Es stört ihn aber auch nicht weiter, denn während sie sich zu IKEA aufmacht, um sein Leben durch Wandschränke, Ordnungselemente und neue Regale zu bereichern, hat er erfreut mehrere freie Flächen im Wohnbereich entdeckt und bezieht diese nun gleichmäßig mit einer Schicht aus getragenen und ungetragenen Socken, kaum gebrauchten Pizza-Kartons und einem widerspenstigen Brei aus Netzwerkkabeln, Hubs, Schrauben, CD-Rohlingen, diversen Handys, Funktelefonen, Akkus und Katzen-Leckerli.

OK, vielleicht war sie nicht nur bei IKEA, sondern auch zwei Wochen allein im Erholungsurlaub fern der häuslichen Wirkungsstätte - aber viel ändern an den Aussichten für alltagstaugliche Single-Ratgeber wird das nicht. Denn wenn sie, wie es Frauen gelegentlich ganz gerne tun,  überraschend einen Tag früher als angekündigt zurückkommt und ihm damit jede Chance nimmt, vor ihrer Rückkehr schnell noch sämtliche herumliegenden Gegenstände wahllos in den Wäsche-Schrank und zwischen die Wintermäntel zu stopfen … wird sie nur wenig Lust verspüren, eine Anleitung ausgerechnet dafür zu verfassen, wie man sich einen Mann als Lebensgefährten auf den Hals holt.

Kommt sie aber pünktlich und wie erwartet heim, öffnet keinen Schrank und sieht über das sie erwartende Stoppelkinn hinweg, wird sie auch nicht in der Stimmung sein, ein Buch über ein sie nicht betreffendes Problem zu schreiben. Sondern Besseres zu tun haben. So schlecht ist es nämlich trotz unvereinbarer Ordnungsansichten gar nicht, mit einem ausgewachsenen geschlechtsreifen Männchen zusammenzuleben.

Würde ja auch wahrscheinlich keine Frau tun, wenn das so schlecht wäre. 

# 18. August 2004 um 10:55 AM
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