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filmreif
Nip / Tuck II
Lohnt es sich, noch etwas zur Serie zu schreiben, auch wenn man nicht mehr wirklich sehr interessiert ist? Die Gründe, denke ich: Ohne Spackofatz
den Kommentator mit der obszönen Mail-Adresse da hätte ich nicht dran gedacht, aber wo ich schon mal dabei bin ...
Die letzte Folge hat mir nicht gefallen, weil sie bei weitem nicht mehr so originell war wie die ersten beiden. Das dicke Mädchen war depressiv und unglücklich und am Ende eine erfolgreiche Selbstmordkandidatin, die alternde Frau natürlich trotz aller Reichtümer seelisch vereinsamt und der Sohn des Hauses wurde von seinem Cheerleader mit einem anderen Mädchen betrogen ... naja. Gähn. Das Drehbuch hätte ein 15jähriger zusammenstellen können, unter Kult stelle ich mir was anderes vor.
Mal schauen, ob sie noch die Kurve kriegen. An Schönheitswahn allein schaut man sich schnell satt.
Was heißt Nip/Tuck?
»tuck« heißt Falte, aber auch zurückstreifen oder verstauen
»nip« ist ein Kniff, heißt aber auch kneifen/zwicken
»Nip Tuck« lässt sich nicht wirklich peppig übersetzen, die Bedeutung muss man wohl mehr erfühlen: Zusammengerafft und weggetackert.
Man darf angesichts anderer Übersetzungskatastrophen schon dankbar sein, dass die Serie nicht einen tollen Titel erhalten hat im Stil von “Dr Sowiesos goldener Schnitt« oder ähnlich.
Nip/Tuck (under your skin)
Zwei Schönheitschirurgen direkt an der Front, beide mit einem komplexen Privatleben und unterschiedlichem Ehrgeiz ausgestattet. Nichts gegen »Six Feet Under«, aber bei diesen Aufschneidern können die anderen makabren Serien sich erst mal einsargen. (Nip/Tuck, zurzeit jeden Dienstag auf Pro7.)
Die erste Folge (zufällig reingezappt) hat mich spontan begeistert. Den bösen der beiden Chirurgen kannte ich bisher als Dämon - aus Buffy? Oder aus Angel? Weiß nicht, aber er war und ist ein Diener der Finsternis und also richtig besetzt - und fand es mehr als genial, wie er sich ein Discountf*tzchen aus dem Nachtleben mitnahm und ihr am nächsten Morgen mit drei Handgriffen das Selbstbewusstsein zerlegte, als es gerade romantisch zu werden drohte. Großartig. Ein Griff unters Kinn, zwei prüfende Finger an den Augen entlang, kritische Blicke den Hals herunter und eine Hand am nichtexistenten Hüftspeck und schon war Blondie, die Ex-Königin der Nacht, vollständig und komplett am Ende und bereit, sich von Kopf bis Fuß operieren zu lassen.
Zwar vermisse ich schmerzlich die Originalstimmen der Schauspieler, die eigenmächtige Selbstbeschneidung von Junior gestern hat das aber vorübergehend wieder wettgemacht. Man sollte vielleicht nicht lachen, wenn andere Menschen sich mit nicht biologisch abbaubarem Plastik polstern lassen und sollte es eventuell gar als bitter ernstes Problem akzeptieren, wenn ihnen die eigene Nase so teuer ganz und gar nicht gefällt. Aber andererseits, vielleicht sollte man es doch nicht einfach so hinnehmen und ganz dringend mal drüber auflachen dürfen. Meinetwegen auch mit bitterem Unterton. Ich muss bei Nip/Tuck an Bibi denken, die bereits Mitte der 90er ihr ganzes Geld in später drum herum schwer entzündete Plastikbeutel zur Rippenbedeckung steckte und an Tanja mit dem langsam aufbröselnden Nasenknorpel und daran, dass überall in der Welt Menschen verhungern, während diese Komplett-Loser und Finalisten der Oberflächlichkeit ihr Selbstwertgefühl auch gegen teures Geld nicht in den Griff kriegen.
Statt einfach mal zu leben und nicht immerzu davon auszugehen, dass ihre eigene sterbliche Hülle von solch immenser Bedeutung ist.
Nip/Tuck also ist durchdrungen amerikanisch, sensationsgeil, zynisch, blutig, wird vielleicht gar nicht so spannend bleiben über viele Folgen … ist bisher aber grandios böse, bitterschwarz und genau das Richtige zu Zeiten von »Swan«. Dieses Swan hat mich wirklich verstört beim kurzen Reinschauen, denn die Frauen sahen am Ende so völlig nach getunter Hausfrau aus und ähnelten sich vor allem auf beklemmende Weise (Einheitsnasen gab es da wohl im Dutzend billiger). Gesund kann das nicht sein, psychologische Betreuung hin oder her.
Nip / Tuck also, für Aufschneider und Freizeitmetzger. Ich halte mir dabei ständig instinktiv die (operierte) Knubbelnase schützend fest und frage mich immer wieder, wie sich das jemand freiwillig antun kann. Verstehen werde ich es nie. Aber zuschauen erst mal gerne.
Schlachtenbummler und so
Nix Neues: Ein schmieriges Jünglein, das an akuter Selbstüberschätzung leidet und für ein mittelprächtiges Pipimädchen konsequent ehrlos alles in Schutt und Asche legt, was seinem Leben (sowieso nur ererbte) Bedeutung gab. Troja also. Ich muss mir noch überlegen, ob ich es dieser Karpfenfresse Pitt verzeihen kann, dass er seinen Gesichtsausdruck auf ewig mit den alten Griechen verschmolzen hat. Toll fand ich weder ihn noch den Film - man hasst mich jetzt wahrscheinlich, weil ich dieses eine Mal nicht stumm gelitten habe, sondern meiner Verachtung für den charakterschwachen Pizzabäckerlehrling
Ersatzprinzen ‘Paris Bloom’ energisch und wiederholt Ausdruck verliehen habe (normalerweise schlafe ich einfach oder leide stumm, wenn ich einen Film nicht mag, aber bei dem Dauergemetzel?!). Wenn wenigstens die Helena schön gewesen wäre und nicht so ein ausdrucksbefreites Blondinchen ... Der kleine mit dem Namen wie ein Feta-Käse, der fünf Jahre älter und man hätte was zu gucken gehabt ... Oder auch nicht. Das war kein Film für mich. Deswegen überlege ich jetzt auch gar nicht, was mir daran gefallen haben könnte, denn ich will einfach nur den ekeligen kleinen Orlando vergessen und wie es ausgeht, wissen ja eh alle.
P.S. und Fußball interessiert mich auch nicht.
Kino: The day after tomorrow
So schlecht fand ich den gar nicht. Ich bin mitgegangen, um New York untergehen zu sehen wie in all diesen Filmen und da ich mich ganz gut über plattgehämmerte Drehbücher mit aneinander gereihten Klischees amüsieren kann (und Oliver prima damit nerven könnte, jeden Handlungsstrang in solchen zuverlässig vorauszusagen, von wegen Blutvergiftung und Wölfe und Ende und sowieso), war das ein Fest für meine Lachmuskeln.
Ich hätte statt der Wölfe die Raubkatzen aus dem Zoo entkommen lassen, dem reichen Jüngling einen heftig fies störenden Charakter verpasst und Jason bei der japanischen Wissenschaftlerin zum Zug kommen lassen. Keiner hat genuschelt, und die Liebesgeschichte war zwar nicht spannend, aber niedlich. Christian hat die Klischees gesammelt, dann muss ich das ja nicht. Über Emmerichs Fixierung auf sich mit Wasser füllende oder von Aliens überschattete und mit Schutt, Schnee oder Asche gefüllte Straßenschluchten von New York könnte man auch mal reden (übermächtige Mutter oder seine Umsetzung der Vagina Dentata?) und diese Vater-Sohn-Sülze wäre sicherlich durch was Simpleres als eine neue Eiszeit zu bereinigen gewesen. Aber wir haben uns ganz gut amüsiert. Vielleicht haben wir es auch einfach nur sehr schön zusammen und das färbt ab auf alles, was wir erleben. Kann schon sein.
Van Helsing
Nachdem unsere Verabredung für morgen
heute krankheitsbedingt platzte (gute Besserung, Johannes!) und wir also »Troja« an diesem Wochenende nicht fallen sehen werden, haben wir uns spontan erst zum Auswärtsessen und dann in die Spätvorstellung von »Van Helsing« begeben.