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»Somebody said it takes about six weeks to get back to normal after you've had a baby. Somebody doesn't know that once you're a mother, normal is history.«
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Norderney
Mittwoch I
Merken: Wenn man sich auf einer Fähre mit dem Schrittmacher an eine Steckdose hinten oben im Innenraum hängt und alle anderen gucken die ganze Zeit so komisch rüber, so sitzt man vermutlich direkt unter einem TV-Großbildschirm und die MTV-Generation kann trotz Stummschaltung gar nicht anders, als ständig hinzuglotzen. Ich bleibe jetzt trotzdem hier sitzen, mir doch egal.
Das Meeting war sehr gut, ergiebig und genau wie erhofft. Auch für einen Tag lohnt der Trip auf die Insel, wenn dabei so viel herauskommt (diesmal sogar noch mehr). Die Insel ist immer wieder schön, das Klima tut mir gut. Trotzdem habe ich mich übergangslos auf den Rückweg gemacht, ich möchte heute Abend wieder bei Oliver sein, wir waren am letzten Wochenende schon getrennt unterwegs und ich vermisse ihn - was hilft mir die Insel, wenn ich Sehnsucht hab, am Meer bin ich noch oft genug.
Die Fähre schwankt heute sehr und ich sehe immer mal wieder eine stahlgraue Welle auf Augenhöhe zum Fenster hineinschauen. Die vorhin vernichtete Apfelschorle bemüht sich redlich um ein Wiedersehen, aber ich bin nicht so interessiert und konzentriere mich lieber auf das sich wellenförmige bewegende Notebook. Ich werde diese Strecke noch oft zurücklegen und freue mich schon darauf.
Ein Klick, und schon waren sie gelöscht, ...
Ein Klick, und schon waren sie gelöscht, die alten Emanzenseiten. Das wollte ich schon lange tun - löschen und irgendwann überarbeiten, aber ohne festen Termin. Schliesslich entwickelt man sich ja doch weiter, ich zumindest *g* und ein fünf Jahre altes Webprojekt kann dann nicht einfach mit ein paar optischen Anpassungen durchgehen. Es sei denn, man hat sich beruflich, privat, persönlich verschlechtert oder nicht verändert, und so isses ja nun nicht gerade. Bei mir hat sich alles, aber auch wirklich alles weiter entwickelt :-) und ich kann die alten Stellungnahmen nicht einfach so in anderes Design schmeissen.
Für mehr als den Befreiungsklick reicht es heute aber nicht. Klimawechsel wieder umgekehrt, ich habe Fieber und leide an bleierner Erschöpfung. Aber ich bin froh, denn ich bin wieder zuhause.
Das Meer ist einfach wunderbar, wenn es ...
Das Meer ist einfach wunderbar, wenn es regnet. Der kalte Wind hat sie alle weggefegt: Die zur Inselumwanderung entschlossenen Paare mittleren Alters, die traurigen Einzelmädchen mit Ethno- oder Tekkno-Rücksäcken, die zu allem bereiten Läufer. Meine Metermähne ist traditionell niemals wetterempfindlich - weil ich es nicht bin - und so lasse ich es gerne zu, dass mein Kopf feucht umweht wird, denn die Luft ist herrlich und durchdringt mich völlig.
Und dann ist da noch das Wasser. Ich habe für mich entschieden, dass ich mich nicht mehr darum kümmern werde, ob ich hinfalle. Ich bin oft gefallen, und immer wieder aufgestanden. Warum soll es mich also abhalten? Mehr als blaue Flecke (oder leichte Knochenbrüche *g*) würde ich mir schon nicht holen. OK, das war nicht so einfach, wie es sich anhört. Ich könnte euch den Appetit mit einem dokumentarischen Foto meiner Gehwerkzeuge verderben *g* Aber als ich dann da draussen war und rechts, links und vorne nur Meer, da hatte es sich gelohnt. Auch wenn die eine Welle mir plötzlich um die Knöchel spülte ;-) irgendwer hat ja immer ein größeres Maul als die anderen.
Als ich nass, kalt und glücklich den Weg vom Strand zurückstolperte, stand dort Käptn Iglo und kratzte sich den Bart. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das war - bestimmt hat jemand, der in der Karibik mit Hunderten von Kindern Spots für Fischstäbchen dreht, im Winter das Bedürfnis nach der Nordsee? Ich hätte ihn gerne gefragt, ob dieser nervenkillende KÄPPPTN-IIIIGLUUUU! Song ihm nicht auch unglaublich auf den Geist gegangen ist, aber er sah nicht kommunikativ aus.
* * *
Heute morgen hat es dann wieder geschneit. Wie bei meiner Ankunft wurde die Insel von einem Schneeschleier bestäubt - da wusste ich, dass ich abreisen würde. Eigentlich sollte Montag der Reisetag sein. Aber als meine Frachtkiste bereits um kurz nach 8 Uhr morgens abgeholt wurde, konnte mich nichts mehr halten. Die nächste Fähre mit einem durchgehenden Anschlusszug fuhr um 11 Uhr 15 und auf genau der sitze ich jetzt und tippe zur Abwechslung mal wieder direkt auf der Armada. Irre, wie groß der Monitor von diesem Notebook doch eigentlich ist, wenn man relativ nah davor sitzt! Diesmal musste ich auch nicht wie eine Geisteskranke das Schiff stürmen, um den Tisch ganz hinten ganz links zu ergattern, denn mit dem neuen Langzeitakku bin ich nicht mehr darauf angewiesen, die Kindersicherung einer Steckdose zu knacken.
Eigentlich ist es viel zeitgemässer, einen guten Laptop als Hauptrechner zu nehmen und die alten, großen Kisten als Ersatzgerät, als Server, als Standort des CD-Brenners und Scanners. Ist die neue Welt nicht wunderbar? Ich weiß zwar noch ganz gut, wie wir es ohne Netz und doppelten Hardware-Boden geschafft haben, aber ich mag es lieber, wie es jetzt ist. Auch wenn mein Laptop ohne Vorwarnung “Hurra wir fliegen” aus dem Captain Future Soundtrack plärrt, wenn ich ihn aus dem Standby-Modus erwecke *g* denn auch so kann man ins Gespräch kommen ...
13.22 Uhr, im Zug
OK. Eins steht fest: Wenn ich für jedes unvernünftige Mal, dass ich mit dem Handy online gehe, mit einem Auftrag belohnt werde, ist das erzieherisch bedenklich :-) Andererseits kann ich beim besten Willen nicht behaupten, dass ich etwas dagegen habe.
In dreieinhalb Stunden komme ich in Düsseldorf an. Olli weiß noch nicht, dass ich heute komme, ich werde ihn überraschen. Ein Plan, der meiner Nachbarin Marlies ein romantisches Begeisterungsquieken entlockte :-) also weiß ich auch bereits, wo ich die letzte halbe Stunde warten werde. Ich habe Sehnsucht. Der Zug könnte ruhig schneller fahren, die Zeit sich beeilen, die Funkuhr schneller wandern.
Herrlich: Ein frischer Milchkaffee. Ich bin so oft mit diesem Zug gefahren, aber noch niemals vorher ist ein Servierwagen gekommen. Der Herr hinter mir hat mir gerade erzählt, wie er, sein Sohn und seine Enkel das Internet nutzen. Der 19jährige Vater mit dem 2jährigen Kind (“unsere Mutti macht gerade ihr Abi und das ist mit Kind zu stressig, deswegen fahren wir zu Omi”) ist zum dritten Mal von einem reservierten Platz vertrieben worden, was ihn nicht weiter kümmert, er lässt sich halt auf dem nächsten (reservierten) nieder, zwischen all den freien, nicht belegten und nicht reservierten Plätzen.
Lena-Marie (und ich WEISS, dass Ihr denkt, ich denke mir diese Namen aus! Aber so ist es nicht) kaut an der Antenne von ihrem Dipsy-Rucksack und ich freue mich andächtig über den Akku, der immer noch keinen Mucks von sich gibt. Was ist es, das Eltern so unendlich geduldig macht? Banaaaane. Dieses Kind übt seit anderthalb Stunden sein neues Wort. Noch 34mal, und auch die Dame auf dem Sitz schräg gegenüber wird endlich wissen, wie die gekrümmten gelben Dinger heissen ....
Der ältere Herr hinter mir ist hoch interessiert an dem Laptop, dem Internet und überhaupt. Mir tut das Herz weh, weil er mir erzählt hat, sein Sohn könne die eigene Firma ohne seine Hilfe gar nicht am Laufen halten. Es ist ziemlich klar, dass das nicht stimmen kann: Er kann kaum was sehen, geht auf die 80 zu (wer weiß, von welcher Seite?) und ist ein bisschen tüdelig, kann nicht alle Informationen korrekt einordnen, die er über Computer hat. OK, wer kann das schon. Aber ich wünsche mir sehr, dass es mir in meinem Leben erspart werden bleibt, mir später einzureden, ich würde mich aktiv an Dingen beteiligen, bei denen dies nicht wahr ist. In meinem Kopf ist eine Welt voller Träume und Gedanken und bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass man mir das nicht nehmen kann. Durch den Schlaganfall von Ilona ist mir wieder bewusst geworden, dass ich die Ausfallerscheinungen und Symptome kenne, die sie beschreibt. Die Koordinationsschwierigkeiten, Sehstörungen und Schwindelanfälle habe ich auch erlebt. Ich glaube aber nicht, dass ich einen unbemerkten Schlaganfall hatte. Aber das lässt sich ja ohnehin mit der anstehenden Computertomographie abklären.
15.00 Uhr
Eine viereckige Dame stürmte das Abteil und schnauzte “Ist hier denn alles besetzt???” Wow. Was für eine überflüssige Power, vor allem, wo ganz klar ersichtlich ist, dass mindestens 8 Plätze frei sind *g* Lena-Marie und ihr neu gewonnener Kampfgefährte etwa gleichen Alters haben die Macht gemeinsamen Gesangs entdeckt und brüllen den Wagon in Grund und Boden. Die Elternteile lächeln milde und etwas dämlich - aufgeweicht von Monaten des Babysittings finden sie es nicht so schlimm, wenn ein ohrenbetäubender Geräuschpegel herrscht, das ist offensichtlich. Die Landschaft zieht vorbei, Lena-Marie brüllt unaufhörlich, der Knabe mir gegenüber (frisch zugestiegen) hat sich in Tolkiens Welten verloren, der Herr der Ringe hält ihn gefangen und ich habe eben gesehen, wie er ganz enttäuscht den Rest des Buches aufblätterte: Nur noch so wenige Seiten?!
Lesen würde ich auch, wenn ich kein Notebook hätte. Aber so? Ich habe die Kraft der zwei Herzen, ein Doppel-Akku ist fast ein bisschen viel. Lena-Marie ist ruhig, sie hängt kopfüber im Papierkorb. Sogar ihr Sunnyboy-Daddy sieht langsam etwas angestresst aus. Macht er aber fein, das alles (grins). Kunststück, er ist auch mit ziemlichem Rumgestümpere der Held aller mitreisenden Damen und Mütter. Eine Frau würde sich komplett unfähig fühlen dürfen, er wird dafür bewundert, dass er ÜBERHAUPT mit dem Kind rumschleppt.
15.45 Uhr
Der Zug füllt sich, der Akku schwindet. Eine Frau kommt extra in unser Abteil, um ihr Kind aus dem Fenster zu halten: In ihrem Abteil stört der Luftzug, bei uns wird gar nicht erst gefragt. Dafür bemüht sich ein dominanter älterer Herr mit Hilfe des Schaffners darum, in unserem Abteil die Heizung auszustellen - auch er fragt keinen der inzwischen rund 15 Mitreisenden. Der war sicherlich Grundschullehrer, bevor er in die obligatorische Frührente ging ;-) irgendwann lasse ich mir noch ein T-Shirt drucken mit dem Spruch “Du lebst von meinen Steuern”.
Ein neues Kind ist aufgetaucht, und es bemüht sich sehr nett darum, Lena-M einen neuen Satz beizubringen. Sowas geht am besten, wenn man die Worte pausenlos wiederholt: WIELANGEFÄHRTNDERZUGNOOOOOCH? Fünf erwachsene Menschen sehen sich gegenseitig bedeutungsvoll an, als die Mutter von diesem Kind es ein Abteil weiter (zu uns) schickt mit den Worten “nun mach doch hier nicht so einen Krach, geh mal dahinten hin.” Lena-M ist gleich mitgekommen und saugt sich konsequent am Fenstergriff fest. Soweit ich das sehen kann, hat sie noch keine Zähne, die sie sich bei einem unerwarteten Ruck aushauen kann - also ist das nicht mein Problem, richtig?
Es ist eiskalt hier drin geworden, seit der alte Knacker die Heizung ausstellen liess. Er sieht zufrieden aus, so wie solche dann immer aussehen: Wie eine senile, aufdringliche alte Eule. Die Kinder haben ihre Schuhe ausgezogen und möchten sie aus dem Fenster werfen. Wenn ich aufstehe und das Fenster umklappe, schaffen sie es vielleicht? ;-) Nu ja, der Papierkorb tut’s auch.
16.35 Uhr, fast schon in Düsseldorf
Zwei Minuten, und ich bin zuhause.
Schmerzende Füsse sind in meiner Währung Zeit ...
Schmerzende Füsse sind in meiner Währung Zeit für Bücher ... so schreibe ich Euch schnell noch über das Buch, das ich gestern gelesen habe, während Napster mir “The Mad Lady and me” von Christy Moore aus dem Web zieht.
Meera Syal - Life is’nt all ha ha hee hee. Die Geschichte von drei Frauen indischer Abstammung, die in London aufwachsen und jede für sich und gemeinsam mit den anderen ihre kulturellen Wurzeln mit dem Leben verweben wollen, das sie sich wünschen. Die Erzählung umfasst nicht die gesamte Entwicklung von der Kindheit an, sondern ungefähr ein Jahr, in dem alle drei so Mitte 30 sind und beginnt mit einer indischen Hochzeit. Wieder ein Highligt auf der Bücherliste, also auch wieder ein Buch, dessen Inhalt ich hier nicht seziere - sonst hat ja keiner mehr was davon, diese Welt aus Seide, Gewürzen und Emanzipationsgedanken zu entdecken, sich mit der Handlung zu verknüpfen und auch dem Teppich der Gedanken in ein fernes Land zu fliegen, das teilweise in London liegt ;-)
Man könnte meinen, dass ich nun einen Stapel Bücher “abarbeite”, die sich mit mir fremden Kulturen beschäftigen und inzwischen eine Stufe erreicht habe, bei der es um die Integration in eine westlichere Welt geht ;-) aber so ist mein Leseverhalten nicht: Ich habe dieses Buch gewählt, weil ich die Autorin aus einer englischen Comedy-Serie namens “Goodness Gracious” kenne, die teilweise recht derbe Witze um die indischen Bürger von England (Einwohner? Kolonialabkömmlinge? In England lebenden asiatischen Engländer? Wo sind meine Vokabeln???) und das Aufeinanderprallen der beiden Kulturen reisst. Das hat nichts mit den hier gerade umlaufenden Türkenwitzen (korrekte Primatenauswürfe, seufz ...) zu tun! Sondern ist british, spicy, intelligent und auch ziemlich funny.
Hier liegen auch vier englische Harry Potters, aber die sind irgendwie verseucht. Vorgestern kam ich am Telefon ins Plaudern, eigentlich geschäftlich, aber dann auch über andere Bücher, und die Dame am anderen Leitungsende nahm mir praktisch die Worte aus dem Hörer: “Ach ja, diese Harry Potters ... man mag sie schon gar nicht mehr lesen, weil so viele Leute sie bejubeln. Kann ja sein, dass die ganz gut geschrieben sind, aber das will ich jetzt gar nicht wissen.” Stimmt. Die werde ich lesen, wenn mal nichts anderes mehr da ist oder niemand mehr drüber redet, bei dem es mir die Zähne langzieht *g*
Gestern morgen bin ich zu früh im Schwimmbad gewesen, gute 45 min bevor ich hätte da sein sollen. Die Tür stand offen, ein Putzeimer daneben ... ich habe das als Einladung genommen und bin schnell hineingeschlüpft. Fünf Minuten später war ich im Wasser - ganz alleine, fast im Dunkeln. Es war fantastisch, die Gedanken im Wasser entgleiten zu lassen, ruhige Bahnen zu ziehen und alles für sich zu haben. Als eine halbe Stunde später das Licht anging und kleine runde Inseln auf den Beckenboden warf, kam ich mir sehr ertappt vor ;-)
Die nette blonde Dame, die mir von Jesus erzählt hat, war wieder gesund, nachdem sie einige Tage eine Vertretung hatte. Auf eine unlogische irrationale und total bescheuerte Weise hat mich das beruhigt - auch wenn ich wusste, dass sie wohl nicht hier hinein gesehen hat und meine Bemerkungen über ehrenamtliche Missionare nicht gefunden haben wird, so konnte ich mir doch nicht helfen, daran zu denken. Nicht jeder verdient Schutz vor offenen Worten, wohlgemerkt. Die meisten müssen das Leben (und mich) in den handelsüblichen Packungsgrößen so nehmen, wie es kommt. Aber ich würde niemanden wegen seines Glaubens oder dem, was er aufgrund dieses Glaubens für wichtig hält, verspotten und ich weiß nicht, ob sie das so ohne weiteres gemerkt hätte: Dass ich nicht diese Frau meinte, sondern all die Schwallschädel, denen ich schon begegnet bin und die in mir diesen starken Abwehrreflex verankert haben ...
Nach der Überdosis Bewegungsbad war ich beim Arzt, habe mir schnell eine Kleinigkeit zu Essen gekauft und wollte dann kurz die Füsse hochlegen und dann etwas arbeiten. Blöd, dass ich nicht daran gedacht hatte, wie stark ich auf Meeresfrüchte reagiere in letzter Zeit: Sonst hätte ich mich nicht selbst mit einem frischen Krabbencocktail ins Koma geworfen *gggg*
Doch, ernsthaft! Die Roggenbrötchen waren es sicher nicht, die mich beinahe übergangslos in einen sehr langen und fiebrigen Schlaf versetzt haben. Krabben stehen jetzt auf der Bah-Bah-Liste GANZ oben! :-)
Tja, und so habe ich mich dann zur Abwechslung mal wieder gefühlt, als wäre ich unter einen Laster gekommen. Ich wollte nur noch ein bisschen Musik hören, nichts mehr tun müssen .... Beim Suchen in Napster habe ich ein paar Titel angeklickt, um reinzuhören. Parallel crashte mein Browser wegen irgendeinem bescheuerten Javascript. Ich weiß nicht warum, aber daraufhin - ohne dass Napster noch lief, wohlgemerkt - wurden meine Computeraktivitäten eine gute halbe Stunde lang von einem dezenten “Don’t cry for me Argentina” (Madonna) im Hintergrund begleitet, das nicht mehr wegging.
Das Leben mit all seinen Details gehört doch immer noch zu den lustigsten Sachen, die man so mitmachen kann :-)
Der letzte Tag im Februar - dieser ...
Der letzte Tag im Februar - dieser Monat ist in wenigen Atemzügen verstrichen. Naja, und in einer Menge Schlafzeit :-) Gestern fegte ich in einem Affentempo durch die Innenstadt und hielt dann erstaunt an: Nichts tat weh. Kein Schnaufen, keine Schmerzen. Heute beginnt die fünfte Inselwoche für mich, einige Sachen sind schlimmer geworden, viele besser. Unterm Strich geht es mir verdammt viel besser als vorher, auch wenn ich mich noch wie eine Baustelle fühle. Wer weiß, ob das vergeht? Auch andere haben Gesundheitsprobleme, ab 35 scheinen die sich zu häufen, mein Unfall hat da wohl nur vorgegriffen.
Die gewissenhafte Einhaltung der Anwendungen habe ich nicht bewältigt. Mal ging es mir zu schlecht zum Schwimmen, mal war das Bein zu heiß und verhärtet für die Schlickpackung, mal war die Lymphdrainagen-Dame krank, mal hatte ich Durchfall und legte natürlich keinen Wert darauf, dann auch noch schwimmen zu gehen. Die anderen hätten das sicher auch nicht toll gefunden *g* Aber es ist schon OK so. Es ist nicht schlecht, sich mal ein bisschen verwöhnen zu lassen - und jederzeit aufzuhören, wenn es nicht passt.
Die Insel füllt sich mehr und mehr mit Menschen und ich mich mit latentem Unbehagen deswegen. Wie in jeder “festen” Umgebung habe ich meine Rituale, Einkaufsorte und Lieblingsrestaurants. Zuviel Menschen stören das. Ich habe auch nicht gewusst, dass der Februar schon Saison ist. Vor-österlich, sozusagen.
Jeden Tag habe ich geschrieben - so, wie ich es mir vorgestellt habe. Klar, dass andere Erlebnisse und ein oft geänderter Tonfall die Einträge begleiten, die nicht im häuslichen Erleben entstanden. Das war kein Vorsatz, das tägliche Schreiben: Ich halte nicht viel von festen Vorsätzen und am wenigsten halte ich davon, diese - wenn doch gefasst - öffentlich zu verkünden *g* Sondern es war eher eine bewusste Entscheidung. Ich möchte die anstrengende und schlimme Zeit nachlesen können, später. Wie immer und wie bei jedem akuten Problem wächst man auch daran, gewinnt Kraft und Power, irgendwann auch Abstand. Der Februar gehört mir, auch nach vielen Jahren werde ich nun noch wissen, wie sich die Insel angefühlt hat.
Dieser Monat ist es auch gewesen, in dem ich gesehen habe, dass das Internet nun wirklich Einzug in das Leben meines Vaters gehalten hat. Als ich ihm das erste Mal das WWW zeigte, klickte er nur ein bisschen herum - interessierte sich nicht die Bohne für meine Erklärungen, meine Homepage, Mail oder Suchmaschinen. Auch nachdem wir den komplett aufgerüsteten Computer nach Kanada geschafft hatten, kam zunächst nicht viel. Er hat die Webcam erst benutzt, nachdem ein Besucher sie installierte. Anscheinend funktionierten der Drucker und Co, sonst hätten wir das sicher zu hören bekommen, aber aktives Feedback gab es nicht.
Dann begann er, mehr und mehr Mails zu schreiben. Dann solche mit angehängten Momentaufnahmen. Er konnte erst kaum akzeptieren, dass sich an meiner Erreichbarkeit nichts ändert, egal wo ich bin - nun nutzt er dasselbe Prinzip. Und vorgestern hat er mir ganz nebenbei mitgeteilt, er wisse nicht, ob meine Briefsendung schon angekommen sei, denn seit er alles über Mail abwickeln würde, schauten sie nicht mehr jeden Tag in den Briefkasten an der Strasse. Na also. Hat ja gar nicht so lange gedauert.