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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Dienstag, 29. Februar 2000

Das war ein schöner Tag :-) und ...


Das war ein schöner Tag :-) und es hat mir auch nichts ausgemacht, früh aufzustehen, um nach Dortmund zu düsen. Es hat bisher schon viel Spass gemacht, den Lehrgang zu geben, und wie immer war der schmerzende Fuss in der ersten und bis zur letzten Sekunde vergessen, in der ich vor den Teilnehmern zu sprechen anfing. Es waren nur etwas über 5 Stunden, und so konnte ich heute den Abend dazu nutzen, die Unterlagen für morgen vorzubereiten - jetzt weiss ich ja, welches das richtige Tempo für diese Gruppe ist.

Ich bin also definitiv kein Mensch, der sich ausschliesslich und gerne zuhause verkriecht, um nur von dort zu arbeiten. Das wusste ich zwar schon irgendwie, aber ich werde doch mal schauen, was sich mit dieser aufgefrischten Erkenntnis anfangen lässt. Gibt es da draussen irgend jemanden, der mich für einen einzelnen 10-Stunden-Tag in der Woche einstellt? *lach* oder meinetwegen auch zwei Tage? Damit ich regelmässig unter Menschen komme? Mehr geht aber nicht, es ist so wunderbar, wenn man nicht mehr sehnsüchtig lechzend auf den Freitag wartet, um ein Stück Leben zu ergattern.

Na gut, das war heute erst der 7. Tag in Freiheit :-) akute Vereinsamung ist nicht zu beklagen. Die einzigen Opfer sind meine unbeantworteten Mails bisher *hust* ich kann’s aber nicht ändern. Morgen früh düse ich wieder durch den Pott, fein. Oder auch “fine” mit englischem Nasal, wie der fortschrittliche Mensch von heute wohl zu sagen pflegt :-) Have a happy Thursday!

# 29. Februar 2000 um 11:00 PM
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Samstag, 26. Februar 2000

29.02.2000 (Dienstag)“Wann wird es mir wohl möglich ...

29.02.2000 (Dienstag)

“Wann wird es mir wohl möglich sein, wieder zum Sport zu gehen?” Der Arzt sah mich mit diesem unglaublich abgestumpften Gesichtsausdruck an und meinte “Eigentlich würde ich Sie lieber in die Klinik einweisen.”

Oh nein, nicht mit mir. Ich gebe morgen und übermorgen einen Lehrgang, auf den ich mich schon freue - daher kann ich dieses reizende Angebot leider nicht wahrnehmen. Aber weil ich diese leckeren Tabletten bekommen habe, werde ich so nett sein und nächste Woche vielleicht noch mal wiederkommen. Phhhhh.

Nein, ich bin nicht unvernünftig. Ich bin nur schon so oft in dieser gleichgültig vor sich hin mahlenden Maschinerie gefangen gewesen. Massenabfertigung, Standardantworten, same procedure as with every patient, Onkel Doktor hört nicht zu, nimmt Dich nicht für voll, hat Dich drei Minuten später schon vergessen - wenn er Dich denn während der Behandlung überhaupt für voll nimmt. Der eine wollte meinen Fuss amputieren, der nächste behandelte mich bei einer Nervenentzündung der Halswirbelsäule auf Verspannungen, wieder einer bemerkte meinen Schlüsselbeinbruch erst nach 3 Wochen und auch sonst bin ich vom Metzger bis zum Henker so ziemlich jedem begegnet in einem weissen Kittel. Von all den Psychopathen und wunderlichen Gestalten, die sich ausgebildete Psychologen und Orthopäden nennen dürfen, mal ganz zu schweigen ;-)

Was für den Arzt das Einfachste ist, muss bei mir noch sehr lange nicht das Richtige sein. In eine Klinik kann ich immer noch gehen, wenn ich das Gefühl habe, es geht mir schlechter als vorher. Und bevor es mir nicht richtig schlecht geht, tue ich mir das auch nicht an. Statt hier herumzuschwatzen, muss ich jetzt allerdings mal schauen, ob ich die Zeit wieder aufhole, die ich heute morgen im Wartezimmer vertrödelt habe.

# 26. Februar 2000 um 11:00 PM
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Werbespot auf dem holländischen TV-Sender: Zwei zufriedene ...


Werbespot auf dem holländischen TV-Sender: Zwei zufriedene pummelige Babies in ihren Körbchen. Baby 2 hat einen Stoffhasen - dann kommt die Kinderschwester und nimmt den Hasen, gibt ihn Baby 1. Daraufhin zieht Baby 2 natürlich ein bitterböses Gesicht. Beide Babies liegen in ihrem Körbchen, das hasenberaubte guckt verdammt grummelig. Dann erscheint unter dem rosig lächelnden Baby 1 der Namenszug “John Smith”. Und unter Baby 2 der Namenszug “Bill Gates”. Dann wird der Bildschirm dunkel und in der Mitte steht in markanten weissen Buchstaben: Stay angry. Dann kam eine Internetadresse, aber die habe ich mir vor Lachen nicht gemerkt :-)

Ja, es ist schon wahr: Unzufriedenheit an sich ist ein guter Motor. Nicht zu verwechseln mit Frust, übrigens, bei Frust muss man mehr ändern als ‘nur’ was zu erreichen….

Wir haben heute “The Straight Way” im Kino gesehen, ein sehr schöner Film. Wir sind gemütlich mit der Strassenbahn hingefahren, weil die Vorstellung in einem kleinen Programmkino in der Düsseldorfer Altstadt lief. So eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist doch immer ein Erlebnis ;-) und mir ist dabei ein kleiner Zwischenfall (von der Rückfahrt aus Wolfsburg) wieder eingefallen, den ich Euch nicht vorenthalten will.

Die letzten 20 Min Bahnfahrt bin ich immer mit der S-Bahn unterwegs, da ich wesentlich näher am S-Bahnhof Ratingen Ost wohne als am Düsseldorfer Hbf. Die Bahn ist nie sehr voll und ich habe mich mit Laptop und Reisetasche ein bisschen einbarrikadiert, um genug Platz für den schmerzenden rechten Fuss zu haben. In der Sitzbank auf der anderen Gangseite sass ein schöner dunkelhäutiger Mann, der wohl noch relativ frisch in deutschen Landen war, sonst hätte er gewusst, dass ein verschmitzter spontaner Stammesgesang in der Öffentlichkeit in Good Old Germany nicht notwendigerweise ausreicht, um fette blonde Beute zu machen. Neben den lächelnden Sänger setzte sich ein mittelaltes Ehepaar, und zwei Bänke weiter hinten nahmen drei junge Herren Platz. Die Sorte mit Turnschuhen, groben Lederjacken und einer mit Zopf, einer mit Kinnbart und einer mit einer punkigen halbglatzigen Kombi und Augenbrauenpiercing, alle so zwischen 20 und 24, würde ich sagen. Sie waren gut drauf und unterhielten sich ziemlich laut, was aber niemanden störte.

Dann klingelte das Handy von dem Augenbrauenring. “Hallo Tashi”. Das war wohl seine Freundin. “Ne, wir sind unterwegs nach Essen, um das Spiel zu sehen, Du.” Ziemlich lange Pause, in der er nur zuhörte. “Aber was ist denn passiert?” Noch eine Zuhörpause. “Aber es muss doch irgendwas passiert sein???” Pause. “Ja, aber wenn nichts passiert ist, dann ist doch alles in Ordnung?” Pause. “Ja, ist gut. Ich Dich auch.” Und Ende. Er legte auf, zuckte die Schultern und meinte zu seinen Kumpels “Sie hätte jetzt wohl gerne gehabt, dass ich vorbeikomme und so.” Die anderen beiden nickten verständnisvoll. “Wir treffen uns dann morgen oder so.” Die anderen beiden nickten. “Sie hatte wohl einen schlechten Tag gehabt, aber ich kann doch auch nicht jedes Mal alles absagen, ich meine, ich bin doch mit Euch verabredet.” Die beiden anderen nickten. Alle schwiegen. Und dann sagte Augenbrauenring im Ton echtester Verzweiflung: “Aber wisst Ihr was? ICH muss das jetzt wieder gutmachen, dabei hab ich doch gar nichts getan.”

Das war der Moment, als die Ehefrau von der Sitzbank gegenüber und ich in schallendes Gelächter ausbrachen. Armer Kerl. Dabei ist er doch schon näher daran, die Frauen zu verstehen, als die meisten seiner Geschlechtsgenossen das je werden. Nicht, dass man da wirklich alles verstehen kann. Die Situation war jedenfalls urkomisch. Da hatte er wohl recht, seine kleine Freundin wird jetzt eine Rechtfertigung dafür verlangt haben, dass er nicht alles stehen und fallen und sitzen liess, um zu ihr zu eilen. Wo sie doch einen schlechten Tag gehabt hatte. Weia :-) Den Rest der Zugfahrt verbrachten alle weiblichen Wesen über 25 in haltlosem Gekichere, was wohl auch nicht zu einem erträglicheren Frauenbild des jungen Mannes beigetragen haben wird.

Wie heisst der schöne Spruch? Es gibt halt solche und solche.

Das gilt wohl auch für Montage. Meiner könnte sehr schön und nett entspannt werden, wenn ich nicht wüsste, dass mein Arzt mich zusammenfalten wird, weil ich mit dem entzündeten Fuss in Wolfsburg war und seitdem noch nicht wieder bei ihm. Dabei habe ich gar nichts gegen meinen Allergologen :-) ich hatte es nur für ganze vier Tage letzte Woche einmal komplett und völlig satt, mein Leben ewig nach diesem blöden Fuss zu richten. Auch wenn ich mich gerade unter Mühen hin und zurück zu diesen Trainings geschleppt hatte. Klar, dass er davon nicht abgeheilt ist, aber einen Versuch war es wert. Es ist auch schon besser geworden, aber halt nicht gut genug, also bitte, lasse ich mich eben zurechtweisen usw. Solange ich nur bitte bitte bitte nicht schon wieder Cortison bekomme :-(

Naja. Wenn es nicht ohne geht, werde ich das schon erfahren. Und Euch wünsch ich einen angenehmeren Start in die nagelneue Woche
;-) vor allem den cebitgeprüften.

# 26. Februar 2000 um 11:00 PM
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Dienstag, 22. Februar 2000

Ariana hat mich beinahe, aber nur beinahe ...


Ariana hat mich beinahe, aber nur beinahe reingelegt. Erst schreibt sie immer schön als Ariana und nennt mich Melody, und dann kommt eine Mail von einer Nicole, die mich Carola nennt. Haha - FAST reingefallen in meinem ganzen Trubel-Trouble, aber nicht ganz! ;-))) Ein flammendes Plädoyer für Wolfsburg - man lese meinen Eintrag vom 16.02. - das ich Euch nicht vorenthalten will *g*

[Ariana] schreibt: “.....fast bin ich ein bisschen beleidigt wegen Deiner Wolfsburger Erfahrungen, schließlich bin ich in Fallersleben (Wolfsburg-Stadteil seit 1972) aufgewachsen. Aber es ist wohl was anderes, wenn man dort lebt oder nur mal vorbeischaut. Dennoch möchte ich eine kurze, aber flammende Rede für meine Heimat halten (bei Desinteresse bitte diesen Absatz überspringen *grins*):

Wolfsburg gibt’s ja erst seit 1938, und “das Werk” war vor der Stadt da. Du wirst also kaum alte Häuser finden. Vieles ist konstruiert und als Hitler-Stadt geplant (an den Fensterklappen an den Häusern kannst Du durchaus die älteren Häuser und Hitlers österreichischen Wurzeln erkennen, kein Witz). Die Porschestraße, jetzt Fuzo, war als Prunkstraße zum Wolfsburger Schloss angelegt. Das Werk ist dementsprechend genauso alt. Es hat keinen Keller, die Lager sind im Erdgeschoss, die Produktion im ersten. Die Fassaden des Werks mit den Büros stehen unter Denkmalschutz (die Hakenkreuze sind entfernt worden). Dahinter liegen die Produktionshallen.

Als ich dort gearbeitet habe, waren ca 65.000 Leute dort beschäftigt, und da in ganz Wolfsburg incl. Eingemeindungen nur knapp 130.000 Leute wohnen ist klar, warum es “das Werk” ist. Die Stadt ist zweitgrößter Arbeitgeber. Wenn Du in Wolfsburg irgendwo im Stadtgebiet bist, musst Du höchstens fünf bis 10 Minuten laufen, und Du bist im Grünen. Wolfsburg ist (oder war zumindest) die grünste Stadt Europas. Will sagen, die mit den meisten Waldecken im Stadtgebiet. Es gibt einige künstliche Seen, der Schillerteich z.B. mitten in der Stadt, oder der Allersee. Das Badeland war eines der ersten in Deutschland mit “Seegang”, und dann haben wir VW-gesponsored noch das Planetarium zu bieten (ganz in der Nähe vom Holiday Inn). Das große und schon ziemlich bekannte Kunstmuseum (in dem ich aber noch nicht war) ist ein Geschenk an die Stadt von der ehemaligen Eignerin des VVD. Und natürlich meine Heimatstadt Fallersleben, der Geburtsort des Dichters des Deutschland- und vieler Kinderlieder. Alt und klein, ehrwürdig mit Fachwerkhäusern. So, fertig.

Wenn Du aber Deinen Spaß mit den Schichtnasen haben willst, dann gibt es nur zwei Dinge, die Du unbedingt tun solltest: Gehe zum Werkers Glöck’l (Fuzo halbe Höhe, am Imperial-Kino, schräg gegenüber von C&A) und iss dort die original Wolfsburger Currywurst. Alternativ gibt’s die auch in der VW-Kantine (Schichtkantine, aber nur zum Frühstück). Und zweitens abends in den Kaufhof, zum Beispiel ins Wobke, Altbierbowle trinken. Macht besonders Spaß im Sommer, wenn die ganzen Schichtnasen ihre getunten Golfs (Gölfe?) spazierenfahren. Herrlich dämlich. Übrigens bin ich vor 8 Jahren da weggezogen und habe noch keine tiefschürfende Sehnsucht. Aber so schlimm ist’s nun auch wieder nicht. Meine Eltern berichten mir, dass zur Zeit wahnsinnig viel gebaut würde, vor allem die VW-City mit diesem Auto-Turm und Hotels.”

Gölfe? ;-) Nun gut, ich hab mir schon gedacht, dass es nicht nur “das Werk” gibt. Aber da ich nicht mehr dort bin, beschäftigt es mich naturgemäss nicht mehr allzusehr :-))) vielen Dank für die äh Richtigstellung? oder besser wohl Ergänzung des Wolfsburg Experience Textes.

Irgendwo hab ich schlagartig irre viel zu tun. Trotzdem habe ich angefangen, ein paar meiner Webseiten etwas aufzufrischen, die Buchseite etwas ordentlicher zu gestalten und endlich mal eine kleine Publikationsliste anzufangen. Besser jetzt, wo es noch nicht soviel Arbeit ist *g* :-) und ich hab sogar fast alle Texte im Original wiedergefunden. Dabei bin ich eigentlich ziemlich strukturiert und ordentlich, ich verwahr nur nicht so sehr viel. Am besten kann ich arbeiten, wenn mein Tisch so gut wie leer ist und die Arbeit vor mir auf dem Schirm - alles andere ordentlich archiviert auf Papier oder digital. Keine Ahnung, wann das genau passiert ist, ich weiss noch, dass ich früher oft in einer Art Dschungel hauste, weil es mir echt so schnuppe war, ob Dinge weggeräumt waren oder nicht. Dinge, nun ja. Wäsche, Pizzakartons und Tonnen von Büchern und Bekannten, wenn ich mich recht erinnere :-) aber irgendwann reorganisierte ich mich wohl, rationalisierte das Chaos weg und fand zu einer klaren Linie.

Ja, auch im Büro. Annäherung an das papierlose Büro :-) nur dass es hier in meinem Privatbüro keiner sieht. Seltsam ist es schon, so ohne Kollegen. Hmpf. Ohne Chef lässt sich klasse aushalten *g* aber ohne die ‘Jungs’, so beschäftigt sie auch immer waren, das ist schon irgendwie manchmal ein bisschen komisch. Den gnadenlos überheizten Raum vermisse ich allerdings nicht. Ausserdem sollte ich mich jetzt ziemlich schnell auf die virtuellen Socken machen, denn ich muss bis morgen mittag einen Artikel eingemailt haben. Leider gehöre ich zu denen, die Zeitdruck brauchen, um loslegen zu können ;-) nun gut, den hab ich jetzt allerdings.
Bye!
Melody

*eilig davonhastend und den Laptop am Modemkabel hinter sich herschleifend*

# 22. Februar 2000 um 11:00 PM
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Montag, 21. Februar 2000

Der letzte Tag, das war dann doch ...


Der letzte Tag, das war dann doch ein seltsames Gefühl. Fast 9 Jahre lang habe ich in unterschiedlichen Abteilungen und Jobs in dieser grossen amerikanischen Firma gearbeitet und wieviele Leute ich doch kannte, kenne, das wurde mir erst klar, als die ganzen Antworten auf meine Abschiedsmail eintrudelten. Und ein paar haben direkt angerufen, weil ich sie vergessen hatte :-) die Kollegen am Nachbarschreibtisch jedoch nicht. Ja, das war schon ein seltsames Gefühl und einige haben es geschafft, dass ich so einen merkwürdig verklumpten Hals bekommen habe. Nicht etwa, weil ich den Firmenlaptop abgeben musste, mein eigener gefällt mir sowieso besser ;-)

Eine echte Chance auf Melodramatik hatte ich allerdings nicht, denn das Gespräch kam in meiner Noch-/Ex-Abteilung bereits wenige Stunden nach meiner Kündigung auf eine freie Mitarbeit. Und nach meiner Abschiedsmail kamen noch weitere interne Anfragen nach einer freien Zusammenarbeit, sogar eine als Autor, dabei habe ich immer gedacht, nie im Leben würde jemand in dieser Firma begreifen, dass ich auch schreibe und das gezielt einsetzen :-))) Das hat mich natürlich sehr gefreut. Was ich damit mache, wird sich zeigen. Jetzt nehme ich mir erst einmal eine grosse Faustvoll Lebenszeit für mich, vor Vertragsende könnte ich dort sowieso nicht arbeiten.

Tja, so ist das. Und alle (naja fast alle) tun so, als würden sie es
a) eine ausgezeichnete und längst überfällige Idee finden, dass ich mich freistrampele und
b) niemals selbst riskieren, soviel Sicherheit aufzugeben.
Dabei ist Sicherheit sowas von relativ. Ein Arbeitsvertrag ist keine Sicherheit. Ein gutes Gehalt ist keine Sicherheit. Das sind bestenfalls günstige Begleitumstände, die nur wenig hilfreich sind, wenn man von einem Unfall in den nächsten stolpert und jede freie Minute mit Überleben beschäftigt ist, das kann ich aus Erfahrung sagen. Und auch günstige Begleitumstände können nur eine gewissen Zeit vorhalten, wenn man sich danach sehnt, ganz andere Dinge zu tun. Und sowas kann sich natürlich auch entwickeln und weiterentwickeln ... ich muss es eigentlich nicht erklären, ich bin sicher, eigentlich weiss jeder, was ich meine.

Was das vorsichtige Leben angeht, so habe ich ohnehin meine eigenen Beobachtungen angestellt. Mir kommt es so vor, als wären die interessanteren und lebendigeren Gesprächspartner bis ins höchste Alter durchgehend die, die nicht immer auf grösstmögliche Sicherheit spielen ;-) sondern einfach so leben, wie sie es sich wünschen, auch wenn das nicht immer so einfach ist. Und es gibt auch erstaunlich viele Leute mit einem unglaublich geregelten und stolperfreien Leben, die sich in schwersten Depressionen wälzen. So simpel kann die Formel also nicht sein. Ich hab allerdings noch nie viel mit Mathematik am Hut gehabt ;-) und es interessiert mich auch nicht weiter, ich kann ja doch nur mein eigenes Leben leben.

Vor ungefähr 15 Jahren habe ich mein Heimatkaff verlassen, weil es dort für mich wohl nur die Möglichkeit gegeben hätte, in die Firma meines Vaters einzusteigen oder sechstausend Bewerbungen zu schreiben, um einen schlechtbezahlten Tussi-Job abzustauben. Nichts gegen Väter und Firmen, aber mich in eine lebenslange Abhängigkeit und Dankbarkeit begeben (um dann einen Job zu haben, von dem ich nie wirklich viel verstehen würde, das sollte ich wohl ergänzend hinzufügen, ich bin sicherlich kein Klimatechniker… die hätten mit mir als Inhaberin extra Leute zu meiner Betreuung einstellen müssen, sozusagen *g*) das kam nie in Frage. Vielleicht klappt das bei anderen, ich weiss es nicht, ich kenne niemanden, der in ein Familienunternehmen eingestiegen UND richtig glücklich damit ist. Nun kenn ich ja auch nicht alle ;-) also wer weiss.

Was mich angeht: Ich habe heute morgen bis 8.30 Uhr geschlafen, statt um 5.45 Uhr aufzustehen. Es war herrlich. Vielleicht tu ich das morgen wieder. Der Rest wird sich zeigen.

Einen wunderschönen gutgelaunten Dienstag wünsch ich Euch ;-)

# 21. Februar 2000 um 11:00 PM
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