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Zoe Jenny: Das Blütenstaubzimmer

Frierend, röchelnd und leidend in einer Art Lebenskoma gefangen bewegt sich die Heldin von Das Blütenstaubzimmer (Zoe Jenny) durch die Handlung, alles tut weh, ist groß und grob und an der Grenze der unerträglichen Seichtigkeit des Seins. Irgendwas - nein, vieles - erinnert hier an die von Männern geschriebenen und auf wild getrimmten “junger Großkotz fickt und säuft sich ergebnislos durch die Szene”-Romane, von denen man nur einen kennen muss, um sie alle gelesen zu haben (und Bukowski einen Tritt geben will, damit er sich im Grab dreht, wie es sich gehört - und weil er ihn verdient hat).

Das Leben ist ein Roadmovie, das wissen wir doch alle. Mädchen haben natürlich andere Welten innerer Qualen zu durchleben, sie leiden da schon mal eher, frieren, hungern. Die Seele verdurstet und weggehen soll dann irgendwann Erwachsenwerden symbolisieren, eine Loslösung. Das Ende lässt den Leser unbefriedigt im luftleeren Gedankenraum zurück, die Personen haben keine Gesichter, die Heldin lernt man niemals kennen, geschweige denn mögen. Es könnte ein anrührendes Buch sein, mich hat es nicht berührt. Ein Buch für jemanden, der das innigliche Leiden liebt und das pralle Leben nicht an der Hand nimmt, für solche Menschen allerdings kann ich mir Das Blütenstaubzimmer gut vorstellen. Die wunderbar leichte Idee eines mit Blütenstaub angefüllten Zimmers wird nur benutzt, um künstlich Appetit auf ein literarisches Werk zu machen, das Annäherungen an diese Märchenhaftigkeit dann vermissen lässt. Der Name des Buchs ist weit hergeholt und künstlich aufgepropft, versandet auch direkt nach wenigen Sätzen wieder und kommt nie mehr hoch. Ansonsten fängt es mich langsam an gewaltig zu langweilen, dass soviele Leute beim Autobiographischen bereits ihre Grenzen erreichen. Ödes Buch, ausser man interessiert sich für seelenverwandte depressive Stimmungen. Der “Catcher in the Rye” war ähnlich arm dran, aber um ein Vielfaches besser zu lesen.

Das Blütenstaubzimmer ist dennoch das perfekte snobistische Mitbringsel, wer würde sich schon trauen, ein Buch nicht zu begrüßen, auf dem “ausgezeichnet mit dem Aspekte-Literaturpreis” steht und das so einen schwummrig-abgehobenen Titel trägt.

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