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Pressemitteilungen, die auch gelesen werden

Bernd Röthlingshöfer schreibt in seinem Blog Werbung mit kleinem Budget zum Thema »Wie kommen die Nachrichten in die Nachrichten« und meint, dass Redakteure dabei nach folgenden Regeln vorgehen:

  • Nachrichtenwert: Ist das überhaupt eine Nachricht? Und wenn ja, wie wichtig ist sie? (Abgecheckt werden laut Bernd hier vor allem Aktualität, Neuigkeitswert, Status, Prestige des Kommunikators und Nähe zum Publikum - geographische, politische oder kulturelle Bezüge, und wer bereits bekannt wird, kommt mit jeder Banalität in die Medien)
  • Aufwand: Wie viel Aufwand ist es die Nachricht zu recherchieren, zu bearbeiten und aufzubereiten?
  • Persönliche Vorlieben
  • Andere Medien: »Die Wahrscheinlichkeit für die Wiedergabe einer bestimmten Meldung steigt, wenn andere Medien ebenfalls darüber berichten.«

In seinem eigenen Beitrag will Bernd zwar darauf hinaus, ob Nachrichten in Blogs denselben Weg nehmen. Ich klaue mir aber seinen gelungenen Einstieg, weil ich ihn umdrehen und für ein anderes Thema nehmen möchte:

Pressemitteilungen, die auch gelesen werden.

Seit ich im Kundenauftrag News schreibe, häufen sich im Eingangskörbchen empörte Zuschriften nach dem Muster »Wieso berichtet Ihr denn nicht über uns, sondern nur über XYZ, wir machen das doch schon viel länger viel besser!« Mir bleibt dann nichts übrig als zu antworten: Mag schon sein, aber Redakteure sind keine Telepathen und freie Autoren ebenso wenig. Man kann nur über Produkte und Projekte berichten, von denen man auch erfährt und wenn man dazu noch den branchenüblichen Zeitdruck bedenkt, kann man sich doch eigentlich auch selbst überlegen, wie wichtig eine informative und interessante Pressemitteilung ist, wenn man möchte, dass “die Medien” über einen schreiben.

Wie schreibt man eine Pressemitteilung?

Ich hab die 10 wichtigsten Punkte mal zusammengefasst, wobei eine saubere und lesbare Form ebenso wichtig sind wie der richtige Verteiler – und die Tatsache, dass man auch etwas zu sagen haben muss, das andere interessieren könnte :-)

Das muss drinstehen, so sollte sie aufgebaut sein, das sollten Sie vermeiden und darauf müssen Sie achten - 10 Tipps zum Inhalt Ihrer Pressemitteilung:

1. Worum geht es? Was ist das Produkt oder die Dienstleistung? An diese Stelle gehört kein komplettes Firmenprofil, sondern auf den Punkt gebracht die Kerninformation als einleitender Absatz, der sich ansprechend und flüssig lesen muss.

2. Warum wir und nicht die? Beschreiben Sie, was Ihr Angebot von der Konkurrenz abhebt und warum das jetzt eine Nachricht wert ist.

3. Was sind die Kosten für das Produkt, wie wird man hier auf Wunsch ganz schnell zum König Kunde, wie ist der Bestellweg? Weisen Sie auf Sonderaktionen und Preisrätsel hin, geben Sie eventuell ganz kurz und knapp auch die wichtigsten Referenzkunden und Geschäftspartner an.

4. Kein Informationswirrwarr - versuchen Sie nicht, möglichst viele Details in eine einzelne Nachricht zu quetschen, sondern beschränken Sie sich auf das Wesentliche. Ein bis zwei Seiten sindgenug.

5. Schwafeln Sie nicht und vor allem übertreiben Sie nicht. Eine Pressemitteilung ist keine Werbebroschüre, sondern Informationsmaterial - das fängt schon mit einem sachlichen und informativen Betreff an.

6. Schlicht ist schön und Übersichtlichkeit ist Trumpf: Unübersichtliche Textformate mit Fettdruck, Unterstreichungen und Großbuchstaben ermüden den Leser, den Sie ja eigentlich erfreuen wollen, damit er Ihre Nachricht weiterverbreitet. Setzen Sie für die Gliederung genügend Absätze, nehmen Sie sich bei der Gestaltung allgemein zurück.

7. Versetzen Sie sich in die Lage der betreffenden Redaktion: Ist die versandte Information für die Allgemeinheit und besondere für diese konkrete Zielgruppe denn auch von Interesse? Erklären Sie ggf, warum Ihre News überhaupt interessant genug für eine Pressenotiz sind.

8. Trotzdem gilt immer: Nur keine Hemmungen. Redakteure von Online-Magazinen und Printmedien sind in Ihrem Beruf darauf angewiesen, mit interessanten Pressemitteilungen beliefert zu werden.

9. Sorgfältigkeit: Überarbeiten Sie den Text Ihrer Pressemitteilung gegebenenfalls mehrfach, bis jeder Satz “sitzt”. Überprüfen Sie alle Informationen gründlich.

10. Sehr wichtig: Datum (!), Absender angeben, Ansprechpartner nennen, detaillierte Kontaktinformationen mit Erreichbarkeit angeben! (Wenn Sie darauf bestehen, ein kurzes Firmenprofil mit anzugeben, gehört dieses in den Absatz vor den Kontaktdaten.)

  melody am 21.10.2004 | » Beruf: Autor/Texter | (0) Trackbacks
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Kommentare:

 

Das deckt sich mit meinen Ratschlägen, allerdings fomuliere ich positiver ;-)
Vielleicht zusätzlich:
- maximal eine A4-Seite 12pt - Redakteure haben weder Platz noch Zeit.
- im Kopf PRESSEMITTEILUNG schreiben, damit es nicht im Körbchen Leserbriefe landet
- Briefkopf mit Corporate Design nutzen!
- Fax vor Email vor Brief
- bei Mail immer den Text als PDF beifügen
- bei Mail und Fax immer URL für digitale Pressemappe angeben
- Pressemappen nie unverlangt per Post schicken
- den Zeitungsstil in der PI nachempfinden - Haadline, Subhead, Aufmacher, gerne wörtliche Rede, Abfassen in dritter Person etc. Wenn Redakteure den Beitrag nur noch kürzen müssen, sind sie glücklich
- in der Subhead alle W-Fragen beantworten, die werbewirksamsten zuerst: “Winnetou-Darsteller Pierre Briece unterstützt die Erhaltung des Westernbüffels durch den WWF” ist auch dann adäquat, wenn Pierre Briece sich bloß vor dem Infostand hat fotografieren lassen.

VolkerK am 10/28 um 09:24 AM
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- Fax vor Email vor Brief

mmmh… damit wäre aber alles Zutun für Wenigerarbeit der Redakteure zu nichten gemacht - aus welchem Grund sollte jemand sich die Arbeit machen ein Fax (abzutippen!) ?

Ich denke mal am besten ist die Aussendung per Nachrichtensatellit oder ganz einfach per Mail; dann kann direkt übernommen werden.

Sebastian am 10/29 um 10:04 AM
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Sebastian: Sehe ich auch so.

Ebenso würde ich sehr davon abraten, die Mail parallel als PDF anzuhängen, ganz genau das Gegenteil ist der Fall. Im Idealfall findet man einen Link auf die Pressemitteilung im Online-Pressecenter und kann sich dort den Text abholen.

Melody am 10/29 um 10:12 AM
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Sebastian: Wenn Du nicht bekannt bist, landen EMails ziemlich schnell im Papierkorb Deines Mailprogramms. Zumal gerade im Lokalbereich die Redakteure EMail oft noch fuer Hexenwerk halten. Einer, fuer den ich einen Artikel geschrieben hatte, konnte den ASCII-Text hinter meiner Signatur nicht entdecken… er bestand auf einem WORD-Dokument auf Diskette.
Faxe hingegen ist manifest und real und wird tatsaechlich gelesen.
Anders natuerlich, wenn Mensch Stammkunde bei den Redaktionen ist. Dann empfehle ich sogar den Anruf vor der Pressemeldung. Manchmal kriegt man dann naemlich mit, dass die Redaktion gerade ein aehnliches Thema von der Konkurrenz hat und kann sich noch in der Meldung abgrenzen.
Melody: Ich wuerde nicht die Mail als PDF anhaengen, sondern ein PDF der Pressemeldung im Corporate Design. Mail ist ASCII, da fehlt das deja vue des Layouts. Ein Link auf die Homepage mit digitaler Pressestelle ist natuerlich auch Ok, aber ich hab da einige Kunden, die sind webmaessig bei einem Litafssaeilenprovider. Der bietet sowas wie eine Web-Visitenkarte an und fuer ein PDF mit der Pressemeldung und Logo usw. muesste schon ein fremder Server benutzt werden.
Absolutes Nono ist auch eine HTML-Mail. Es gibt genuegend Redaktionen mit Lotus Notes oder Groupwise von Novell, bei denen das echte Layout dann erst in der Anlage einer Anlage einer Anlage steckt.

VolkerK am 10/29 um 11:52 AM
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Pressemeldung im Corporate Design?? Was interessiert den einen Redakteur das ganze trumborium? Er ist doch kein Designer, er will Inhalte.

Er will die Infos in klarem ASCII-Text, bzw. als PDF, und besser noch zum gleich übernehmen per Mail oder Satellit.

Da muss man die Redaktion aber schon sehr sehr gut kennen, wenn ein Meldung per Fax übernommen wird.

Also bei ner 2-Leute Zeitung ok, nicht aber für überregionale Zeitungen. Da ist die Pressemittelung per FAX – könnte man sie ja gleich per Post schicken – wirklich verschenkt.

Schön per Online-Pressecenter, dann können optional gleich noch Bilder mit heruntergeladen werden, man kann sich auch hintergründig informieren.

Sebastian am 10/30 um 10:19 AM
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Sebastian, auf dem Land sind die meisten Lokalredaktionen echte “2-Leute-Zeitungen”, wenn sie überhaupt vor Ort sind.
Das “Corporate Design” bezieht sich auf den Briefkopf, und der sollte (auch nach dem von Melody zitierten Buch) unkompliziert und eingängig sein. Es ist keinesfalls falsch, das eigene Logo in eine Pressemeldung einzubinden, sofern es den Vorgaben von Bernd Röthlingshöfer entspricht (“so einfach und eingängig, dass man es mit dem dicken Zeh in den Sand malen kann” oder so ähnlich).
Es gibt noch andere Tipps von “früher”, z.B. maximal 30 Zeichen pro Zeile und Zeilen am linken Rand durchnumerieren, aber die sind in Zeiten der Textverarbeitung und des digitalen Drucksatzes geschenkt.

VolkerK am 11/02 um 08:50 AM
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