Home  |  Autorin  |  Webdesign

Buchblogger.de

Home  |  Blog  |  Werkstatt  |  Kurzgeschichten  |  Kuechenzeilen  |  Muttertag  |  Sitemap  |  Profil  |  Mail  |  Impressum

« Mirjam Pressler: Bitterschokolade | » Corinne Hofmann: Die weiße Massai

Patti Massmann: Echt süß.

Echt süß. Der Roman zum Verschlingen und Abnehmen.
Patti Massmann, Susan Rosser
Taschenbuch - 405 Seiten - Goldmann, Mchn.
Erscheinungsdatum: 1992
ISBN: 3442413281

Warum lese ich das? dachte ich schon nach den ersten Seiten und las es trotzdem weiter. Vielleicht habe ich nur ein oder zwei, vielleicht aber auch schon ein gutes Dutzend solcher Romane gelesen, trotzdem hat der erste mich unterhalten und auch die anderen nicht völlig gelangweilt. 400 Seiten leichte Koste lese ich in wenigen Stunden, also habe ich auch diese Geschichte konsumiert, das Ende wohl wissend von der ersten Seite an. Das Schema ist ... ... bei diesen Stories ja immer gleich: Hausfrau um die 40 mit zwei Kindern (Sohn und Tochter natürlich) sieht ihre Ehe in Trümmern liegen - der “Göttergatte” (behämmertes Wort obendrein) hat eine andere, jüngere und erfolgreiche (unglaublich attraktive) Andere. Wenn diese Zutaten sich nicht so konsequent wiederholen würden, könnte man so ein Buch mit Spass lesen. Jemand, der jetzt keinen akuten Wiedererkennungseffekt durchlebt und auch schon mal besonders gerne einen leichten “Frauenroman” mag, der (die!) sollte hier nicht weiterlesen, sondern lieber das Buch kaufen :-)

Wie also sieht dieses mehr oder weniger bewährte Strickmuster aus? Entweder sagt der Göttergattenmensch recht plötzlich, seine Frau habe sich nicht weiterentwickelt, oder er findet sie viel zu dick (wie in “Echt süss”) oder aber er steht ganz offen dazu, dass er auch als dorschgesichtiger alter Knacker lieber Frischfleisch mag (“ich habe nur ein Leben und Du hast Dich gehen lassen, mit Dir verbringe ich es nicht”). So oder so liegt die Welt der besagten Hausfrau nun in Trümmern, denn natürlich hat sie ihren zumindest erlernten Beruf - meist ein Studium - komplett aufgegeben, um sich Haus und Heim zu widmen und hat auch niemals auch nur ansatzweise damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte. Obwohl die Interessen sich auseinander entwickelt haben und sie sich an den Wochenenden schon oft alleine mit Freundinnen traf. Obwohl der Ehemann plötzlich auffallend eitel und vielbeschäftigt war und immer schon mal wieder verlauten liess, sie könne dies, das und jenes doch mal an sich ändern. Usw. Da sitzt sie nun und verzweifelt drehbuchgemäss, bricht zusammen und bespricht die Situation mit der allerbesten Freundin. Die selbst natürlich jenes Problem nie und nimmer hat, welches die beschriebene Ehe gerade zerbrochen hat.

“Er” hat also eine Midlife Crisis und stürzt die Heldin des Romans in jene Krise, um welche der Roman sich dreht (in einem Fall war es auch die Leiche des Ehemanns, die Krise - DER hat mir echt gut gefallen *g*). Sie löst diese dann für sich im Laufe der Handlung auf, findet zu ihrer eigenen Zufriedenheit, wird ein ganz neues “Ich” und entdeckt wieder, dass auch sie ein Mensch ist und nur nicht nur Dienstleister für ihre Familie. Den Flüchtigen will sie anfangs zurückerobern, gibt den Gedanken später auf, als sie feststellt, dass interne und externe Restaurierungsarbeiten ihr bessere Möglichkeiten öffnen - den Nachbarn oder Literaturzirkelbekannten, der von Anfang an freundschaftlich und auffallend attaktiv durch die Geschichte geisterte. Die neue Traumpartnerin des ehemaligen Gatten entpuppt sich wahlweise als Furie oder spontan alternde Barbie, die ihn sich aus materiellen Gesichtspunkten geangelt hatte. Etwas irritierend ist, dass die weibliche Hauptfigur am Ende meist an der Führungsspitze eines internationales Konzerns steht, ich nenn sowas das “Trösterle” (dran glauben tut eh keiner, aber wahrscheinlich tut es manchen Leuten einfach gut, sich das auch mal vorstellen zu können).

An dieser *süssen* Geschichte ist das “Besondere” das Übergewicht der Heldin und wie sie eine ganz neue, fettfreie Diät entwickelt, ein Traumgewicht erreicht und hält und die ganze Welt davor rettet, an zuviel Zucker zu Grunde zu gehen. Das wird allerdings nicht gerade so intensiv behandelt, dass es für Naschkatzen grossen Lerneffekt hätte - ein Glück wahrscheinlich, denn wie immer ist alles so einfach in Amerika, das Leben kommt in Grosspackungen daher und ist mit einfachen Handgriffen in klar verdauliche Bruchstücke aufteilbar. Wahrscheinlich habe ich’s deswegen zu Ende gelesen ... für mich ist eine Geschichte mit naiver Philosophie, einfach zu lösenden Problemen und gutem Ausgang halt immer noch ein utopischer Roman :-)

Carola Heine

  melody am 31.12.2003 | Körper & Selbstbild | (0) Trackbacks
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.

Kommentare:

 

 


Powered by ExpressionEngine