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Marlen Haushofer: Die Wand

imageDie Wand
Marlen Haushofer

Eine Frau besucht Freunde in deren Jagdhütte und findet sich plötzlich alleine wieder, das Tal und die Berge durch eine unsichtbare transparente Wand getrennt vom Rest der (plötzlich toten, versteinerten) Welt. Ein paar Tiere, die Vorräte in der Hütte und Papier für ihre Aufzeichnungen sind alles, was die Namenlose besitzt. Man liest ihren Bericht, den sie nach zweieinhalb Jahren als offensichtlich einzige Überlebende hinter der Wand schreibt und in dem sie ihren aufreibenden, von Ängsten überschatteten Alltag schildert. In klarer, einfacher Sprache beschreibt sie ausführlich den Kampf ums Überleben von Körper und Geist und zeichnet dabei auch die persönliche Entwicklung auf, die sie selbst als einsame Gefangene hinter der Wand durchläuft. Viel geschieht nicht, trotzdem ist das Buch keinesfalls eintönig oder langweilig. Man wird mit hineingezogen in die Überlegungen und Beobachtungen und es wird auch immer wieder ein Spannungsbogen aufgebaut durch beiläufige Erwähnungen von Dingen, die für die Protagonistin bereits geschehen sind, von den Aufzeichnungen aber noch nicht zeitlich erreicht wurden.

Interpretationsmöglichkeiten für diese wunderbare Erzählung gibt es vermutlich unzählige. Zu meinem Glück hatte ich schon wieder vergessen, dass mir dieses Buch auch schon mal als Frauenbefreiungsliteratur vorgeschlagen worden war, es fiel mir erst wieder ein, als ich nach dem Lesen den Nachspann durchblätterte. So konnte ich die Sprache genießen, die Erzählung gespannt aufsaugen und wurde nicht abgelenkt durch einen Filterblick, der bewusst den Emanzipationsprozess dieser Person im Auge behielt. Ein eindrucksvolles Buch, bei dem es mich fast ärgerlich macht, dass es auf irgendwelchen Bestsellerlisten auftaucht und von Leuten gelesen werden wird, die solche Listen so systematisch abarbeiten wie sie es als beflissene Schüler mit ihren Hausaufgaben getan haben.


Leseprobe

  melody am 12.10.2004 | Literatur | (0) Trackbacks
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Kommentare:

 

Ich bin mehrfach nach meiner Interpretation gefragt worden und denke, dass dies die Geschichte einer endogenen oder zumindest schwerwiegenden Depression ist.

Melody am 12/09 um 02:34 PM
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