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Erotik schreiben
Elizabeth Benedict
Broschiert - 240 Seiten - Autorenhaus Verlag
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3932909674
Preis 14,90 €
(oder um die 8 Euro im Amazon Marketplace)
Eins vorab: Dies wird keine Empfehlung. Dieses Taschenbuch hat es trotz verlockendster Themen nicht geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen, und das liegt vor allem daran, dass diese Sprachregionen im Buch selbst eigentlich genau so verkrampft umschrieben werden, wie ich persönlich es nicht gerne lese. Nicht die Zitate aus der erotischen Literatur, die sind bereichernd, wenn auch viel zu kurz.
Elisabeth Benedict jedoch erläutert trocken und ohne Höhepunkte zunächst einmal fast 100 Seiten lang zwischen den einzelnen Info-Schüben, was seit in der ersten Ausgabe von »Erotik schreiben« alles anders machen musste für dieses Buch, da die Welt zwischenzeitlich von AIDS und Sexskandalen Prominenter heimgesucht wurde und sich daher das Bewusstsein für sexuelle Handlungen verändert habe. Ich glaube, das hätten wir auch so gemerkt.
Ebenso teilt sie mit, dass schwule Autoren anders über gemeinsame Aktivitäten des Fleisches schreiben und eine Entjungferung - egal welche - ein besonderes Ereignis ist und meint, dass der beschriebene Sex nicht unbedingt gut sein muss, das Textstück kann trotzdem gut geschrieben sein - auch das war irgendwie schon klar.
Etwas, das mir unangenehm auffiel im Zusammenhang mit einem Werk, das mir zu einer lustvoll dreckigen Schreibe verhelfen soll (obwohl ich da wahrscheinlich etwas falsch verstanden hatte), ist immer wieder die Verklemmtheit, die ich gerade hier nicht erwartet hätte: Frau Benedict zitiert sich beispielsiweise selbst »In seinem Hotelzimmer nahm er ihren Kopf mit beiden Händen und dirigierte ihn mit bewusster, wenn auch gemäßigter Kraft, was weit mehr als nur ein Vorschlag bedeutete, von seinem Hals zu seiner Brust - zu ihm.«
Übersetzung: Er schob ihren Kopf in Erwartung eines Blowjobs in Richtung Penis, vermutlich war er von Geburt an stumm und musste deswegen mit großen Gesten arbeiten. »Ihm« ist in dem Fall der bereits erwartungsfeucht glänzende warzenfarbige Fleischableger, den auch dieser Protagonist für das Wahrzeichen seiner Männlichkeit hält. Oder so.
Hätte ich dieses Zitat vorher gelesen, ich hätte das Buch nicht gekauft ... immerhin schreibt sie dann auch selbst, dass sie zumindest das »ihm« in dieser Szene inzwischen bereut.
Verreißen möchte ich »Erotik schreiben« allerdings auch nicht völlig, denn in der Summe stehen einige Anregungen darin, auch für weitere literarische Anschaffungen. (Sie zitiert »Lolita« und andere wunderbare Werke - Zitate, die Appetit auf Neues machen oder Erinnerungen zurückbringen, wie »Angst vorm Fliegen« und andere alte Bekannte.)
Es enthält viele kommentierte Auszüge aus erotischen Erzählungen und auch eine Liste mit Schreibübungen, ist sicherlich hilfreich für jemanden, der noch nie eine erotische Szene geschrieben hat und sich mit gewissen Grundlagen vertraut machen möchte - aber es ist auch sehr ‘amerikanisch’ und könnte vom Tonfall und Sexappeal her ein Erma-Bombeck-Buch mit detaillierten Haushaltstipps sein.
Fazit: Dieses Buch hätte gerne tiefer gehen und ruhig auch eine Nummer größer und härter sein können.