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Clare Clark: Der Vermesser

Clare Clark: Der Vermesser, Hoffmann & Campe, August 2005
Das Buch stinkt:-). Besser: Im Buch stinkts gewaltig: Die Historikerin Clare Clark lässt uns in eine völlig neuen Geruchswelt schnuppern - nämlich die der Kloaken, der Abwasserkanäle Londons vor der großen Sanierung durch den Ingenieur Joseph Bazalgette. Clarks Held, der Vermesser William May, treibt sich dort mit Vorliebe herum, ebenso wie ein Rattenfänger namens Tom und andere, die mehr zu verbergen haben. 

William May kehrt traumatisiert als Kriegsveteran aus dem Krim-Krieg zurück. Er beginnt als Vermesser für das Großprojekt von Bazalgette zu arbeiten. Das gesamte Abwassersystem Londons ist am Zusammenbrechen, schon dreimal hat die Cholera in der britischen Metropole gewütet. Das Abwasser verseucht die ganze Stadt. Die Themse ist eine riesige stinkende, giftige Kloake. Bazalgette erhält nach einem katastrophalen Sommer, der als The Great Stink in die Geschichte eingehen wird, endlich die notwendigen Gelder zur Sanierung des Systems - und May bekommt eine Aufgabe. Er soll das geeignete Material für die Ziegel recherchieren, um die geplanten riesigen neuen Kanäle zu bauen. May arbeitet zielsicher und zuverlässig. Gleichzeitig flüchtet er immer öfter in die stinkenden Kanäle, um sich mit einem Messer wieder und wieder selbst zu verletzen - das Trauma des Krieges lässt ihn nicht los.

Als in den Kanälen ein brutaler Mord geschieht, gerät er durch sein zerstörerisches Verhalten, aber vor allem aufgrund einer hinterlistigen Intrige unter Verdacht und wird erst in eine Irrenanstalt, später auf ein Gefängnisschiff gebracht.  Der Galgen scheint ihm sicher. Jeder, selbst seine Frau, glaubt, dass er der Mörder ist. Es ist fast zu spät, bis er das Ausmaß dieser Intrige versteht und den wahren Mörder erkennt. Jetzt heißt es, jemand von seiner Unschuld zu überzeugen, der ihm helfen wird…

Clarks Vermesser sollte als Roman, nicht als Krimi gelesen werden. Ein Roman über einen Mann, den die Schatten der Vergangenheit, das Töten müssen im Krieg, nicht los lassen.  Ein Roman über London im 19. Jahrhundert, über die Armut und den Mut der “kleinen Leute”, alles für ihr Überleben zu tun. 

Mir hat das Setting, also die Geschichte um das ambitionierte Projekt Bazalgettes sehr gefallen. Schließlich ist der Mann in die Geschichte eingegangen, weil er die sanitären Anlagen einer Großstadt vor dem Überlaufen gerettet hat:-). Clark lässt uns sehr eindrücklich am “Great Stink” teilhaben - und nicht nur einmal kräuselte sich angewidert meine Nase, weil sich die Gerüche Londons in meinem Kopf ausbreiteten…
Fazit: Lesen - und einmal in Berlin oder Wien die Unterwelten erkunden - spannend (und keine Tortur mehr für die Nasen!)

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