« Schweizerisches Literaturinstitut an der Hochschule der Künste Bern | » Buchblog
»Mein damaliger, von der Midlifekrisse arg gebeutelter Deutschlehrer, Heinrich Müller, versuchte einstmals, uns zum Lesen von “Effi Briest” zu animieren, indem er einen völlig unbekannten Kritiker zitierte, der behauptet haben soll, es würde sich lohnen, ebenjenen Schinken von Fontane jedes Jahr aufs Neue zu lesen. Man würde mit jedem Mal etwas Neues entdecken, das das Leben unsäglich bereichern würde. Gesagt, getan. Seit nunmehr 11 Jahren lese ich jedes Jahr einmal das Buch, jedes Mal erkenne ich die Leitmotive wieder, die ich auch schon zuvor ausgemacht habe; auch der Erwerb von Lebenserfahrung und Weisheit scheint durch alleinige Lektüre des Buches begrenzt. Und jedes Mal schwöre ich mir, es ist das letzte Mal, daß ich dieser doch etwas abstrusen Tradition verhaftet bleibe.« Schreibt Rahvin.
Whoa, da hatte ich mehr Glück. Nicht nur hat mir kein Deutschlehrer ein Trauma verpasst, ich kann mich von der gesamten deutschen Schullektüre auch nur noch an den »Herrn der Fliegen« und »Die Welle« erinnern, weil ich oft genug gelernt hab, dass sich solche Fratzen hinter jedem verstecken können und am ehesten hinter jenen, die dies weit von sich weisen.