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Kategorie: Literatur

Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen

»Das kunstseidene Mädchen« ist ein auf Papier gedrucktes Blog, das auch funktioniert. Ich sehe schon alle die Hände überm Monitor zusammenschlagen, die eine Rezension für eine ernste Angelegenheit und eine Art Hausaufgaben für gehobenste Ansprüche halten - aber die müssen auch nicht in 34 Minuten bei der Salz-Öl-Peeling-Massage sein und vorher noch einen Kaffee fertigtrinken und aus dem Notizblock ins Notizblog übertragen, was man sich papiergebloggt hat.

Wie also schnell und überzeugend vermitteln, dass man sich dieses Buch anschauen sollte, weil es ewig aktuell ist, obwohl es alt ist? (Von 1932 - beschäftigt sich aber kaum mit der Politik jener Zeit, abgesehen davon, dass die Hauptdarstellerin sich einmal versehentlich als Jüdin ausgibt, um einem Mann zu gefallen und es war dann “gerade falsch herum hatte ich es gemacht, er legte Wert auf Rasse”).

Wenn man sich wie die Hauptperson und Ich-Erzählerin Doris keinesfalls zur tagebuchschreibenden Fraktion zählen möchte, weil man dafür einfach viel zu cool ist und es deswegen anders nennt, wird man nicht nur solche Überlegungen wiedererkennen, wie man sicherstellt, nicht “zu den Untersten” zu gehören und sich mit allen Mitteln dort zu positionieren, wo man sich selbst sieht. Doris definiert sich über ihr Aussehen wie die meisten Frauen, und sie will ihr Leben verbessern, dringend jemand “sein”. Dafür tut sie so ziemlich alles, aber es hilft ihr nicht wirklich viel und wenn der Mann, den sie liebt, ebenso oberflächlich und berechnend ist wie sie selbst, dann verletzt sie das zwar, ändert aber nicht ihre Einstellungen.

Ein »Glanz« möchte sie sein, die kleine/junge Doris, sich von anderen weit abheben. Reichtum verwechselt sie mit Glück, teure Kleidung und einen luxuriösen Lebensstil mit Ansehen und einen Mann als Ernährer mit einer zufriedenstellenden Lösung. Wobei zu jener Zeit, als das Buch enstand, ein Provider für ein Mädchen wie Doris (ohne Bildung oder die Bereitschaft, sie zu erlangen) fast die einzige Lösung gewesen sein wird. Doris aber konzentriert sich auf reiche Ehemänner anderer Frauen als Einkunftsquelle. Eine bröckelige Basis, die auch prompt einstürzt (und Doris ab).

Das Ende des Buchs fand ich furchtbar deprimierend, habe aber auch andere Rezensionen gelesen inzwischen, die es als einen Beweis unglaublicher Lebensfreude interpretierten, dass diese Doris nun den Weg geht, einen Verehrer zu erhören, den sie vorher für indiskutabel hielt, weil nicht reich/gut genug. Alternativ wäre sie auf der Straße gelandet, wo sie auch schon war und vermutlich kann man es auch als Durchhaltevermögen interpretieren, wenn sie nun nicht aufgibt, sondern sich solch einer Lösung zuwendet.

Eines der wenigen Bücher, die ich mir auch als

Podcast

Hörbuch kaufen würde. Man bekommt das Buch gebraucht bei Amazon, glaube ich - meine Ausgabe ist von 1959. Ich habe drei Anläufe gebraucht, bis ich es dann wirklich gelesen habe, das lag aber vor allem daran, dass ich vom Lesen eines gewissen Blogstyles übersättigt war und zu vieles wiedererkannte. Mit etwas oder etwas mehr Abstand kann man es prima lesen.

Über die Autorin: »Irmgard Keun, 1905-1982, gehört zu den vielen großartigen Künstlern, die in den 30er Jahren vor den Nazis ins Exil fliehen mussten. 1940 kehrte sie mit falschen Papieren nach Deutschland zurück, wo sie unerkannt lebte. Nach 1945 konnte sie nicht mehr an ihre früheren Erfolge anknüpfen. Irmgard Keuns Romane wurden erst Ende der 70er Jahre wiederentdeckt und sind im Claassen Verlag erschienen.«

  melody | 16.03.2005 | Literatur | (0) TBs | Feedback (6)

Marlen Haushofer: Die Wand

imageDie Wand
Marlen Haushofer

Eine Frau besucht Freunde in deren Jagdhütte und findet sich plötzlich alleine wieder, das Tal und die Berge durch eine unsichtbare transparente Wand getrennt vom Rest der (plötzlich toten, versteinerten) Welt. Ein paar Tiere, die Vorräte in der Hütte und Papier für ihre Aufzeichnungen sind alles, was die Namenlose besitzt. Man liest ihren Bericht, den sie nach zweieinhalb Jahren als offensichtlich einzige Überlebende hinter der Wand schreibt und in dem sie ihren aufreibenden, von Ängsten überschatteten Alltag schildert. In klarer, einfacher Sprache beschreibt sie ausführlich den Kampf ums Überleben von Körper und Geist und zeichnet dabei auch die persönliche Entwicklung auf, die sie selbst als einsame Gefangene hinter der Wand durchläuft. Viel geschieht nicht, trotzdem ist das Buch keinesfalls eintönig oder langweilig. Man wird mit hineingezogen in die Überlegungen und Beobachtungen und es wird auch immer wieder ein Spannungsbogen aufgebaut durch beiläufige Erwähnungen von Dingen, die für die Protagonistin bereits geschehen sind, von den Aufzeichnungen aber noch nicht zeitlich erreicht wurden.

Interpretationsmöglichkeiten für diese wunderbare Erzählung gibt es vermutlich unzählige. Zu meinem Glück hatte ich schon wieder vergessen, dass mir dieses Buch auch schon mal als Frauenbefreiungsliteratur vorgeschlagen worden war, es fiel mir erst wieder ein, als ich nach dem Lesen den Nachspann durchblätterte. So konnte ich die Sprache genießen, die Erzählung gespannt aufsaugen und wurde nicht abgelenkt durch einen Filterblick, der bewusst den Emanzipationsprozess dieser Person im Auge behielt. Ein eindrucksvolles Buch, bei dem es mich fast ärgerlich macht, dass es auf irgendwelchen Bestsellerlisten auftaucht und von Leuten gelesen werden wird, die solche Listen so systematisch abarbeiten wie sie es als beflissene Schüler mit ihren Hausaufgaben getan haben.


Leseprobe

  melody | 12.10.2004 | Literatur | (0) TBs | Feedback (1)

Seite 1 von 1 Seiten insgesamt:

Frauen und andere KatzenFrauen und andere Katzen.

Kurzgeschichten, Märchen und erotische Erzählungen.

Taschenbuch mit Geschichten, die auf katzenfrau.de veröffentlicht wurden. (6,60 Euro - 104 Seiten, erschienen im Juni 2000, online bestellen)

 

Frisch im Blog:

 

Notizgeblogged:

 


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