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Kategorie: » Rezensionen

Wir müssen über Kevin reden

Schon lange hat micht kein Buch mehr so gefesselt wie “Wir müssen über Kevin reden” von Lionel Shriver. Ein Buch, dessen Lektüre verstört. Wer Sensationsgier oder klischeehafte Betroffenheitsliteratur erwartet, wird enttäuscht. Wer aber schon lange argwöhnt, dass die Fassaden, die wir zum Erhalt unserer eigenen Familienidylle errichtet haben, in Wahrheit so brüchig sind wie die Idylle selbst, wird dieses Buch begierig in sich aufsaugen.

Das Verstörende daran ist die Erkenntnis, dass niemand von uns einfach nur gut oder nur böse ist. Lionel Shriver legt das Alter Ego bloß, das jeder von uns in sich trägt. Und wie sie das literarisch tut, finde ich außerordentlich gelungen.
Nicht alle Rezensenten sind dieser Meinung. Ja, es gibt Passagen, die quälend lang erscheinen, aber schließlich geht es auch um die quälenden Fragen einer Mutter nach Verantwortung, Schuld und Liebe. Eine andere Rezensentin ist offenbar über die quälenden Passagen nicht herausgekommen, sonst hätte ihr nicht entgehen können, dass es keinen Ex gibt und keine Eltern mehr, die sich gegenseitig Fragen stellen können.
Wer sich aber darauf einlässt, der Protagonistin Eva zu folgen, wird mit einer Spannung belohnt, die sich vor keinem Krimi verstecken muss.
Dem Fazit einer weiteren Rezension kann ich daher nur zustimmen: “Wir müssen über Kevin reden” ist nicht nur der Titel dieses gewagten Romans, es ist der Satz, den man so schnell wie möglich zu jemandem sagen möchte, der dieses Buch auch gelesen hat.

Harry Potter 7

Über den letzten Potter-Band ist seit seinem Erscheinen am 21. Juli so viel gebloggt worden, dass ich mich auf ein paar ganz persönliche Anmerkungen beschränken kann.

Band 6 konnte ich nur verzögert lesen, weil meine Kinder sich noch darum rissen, wer zuerst lesen durfte. Mit Band 7 hielten sie sich zurück — sei es, weil sie aus der Pottermania herausgewachsen sind, sei es, dass der Medienrummel auch sie nur noch nervte. Also konnte ich diesmal in aller Ruhe lesen.

Nun ja, J. K. Rowling hat sich bemüht, ihren Lesern einiges zu bieten. Nach den Horcruxes tauchen nun noch die Hallows auf, um die Handlung möglichst verworren und damit spannend zu gestalten. Für meinen Geschmack wäre weniger mehr gewesen, manchmal hätte ich mir logischere Wendungen gewünscht. Dass letztlich doch noch alles halbwegs zusammenpasst, ist schon eine Leistung. Die Odyssee des Drehbuchschreibers, die ich gerade gelesen habe, lässt sich mit ihrer “Reise des Helden” an Harry Potter wunderbar verfolgen.

Gefallen hat mir, dass einige Gestalten vielschichtiger wurden. Spätestens ab Band 4 störte mich die absolute Trennung von Guten und Bösen doch zu sehr. Selbst Dudley und Draco erhalten nun menschlichere Züge, und dass mit Dumbledore und Snape doch alles ganz anders war, als Band 6 suggerierte, das war sowieso klar.

Äußerst bedenklich finde ich als besorgte Mutter, dass selbst Hermine ihre Schulkarriere so leichten Herzens aufgibt. Nun ja, die Welt vor dem Bösen zu retten, ist natürlich eine äußerst ehrenvolle Aufgabe (die damit verbundenen Gefahren können getrost von denen vernachlässigt werden, die das Schild “Hauptdarsteller” auf der Brust tragen wie Harry, Ron und Hermine). Aber was antworte ich meinen Kindern, wenn sie mir demnächst eröffnen, sie wollten ihre Schullaufbahn aus ähnlichen Gründen beenden? ;-)

Clare Clark: Der Vermesser

Clare Clark: Der Vermesser, Hoffmann & Campe, August 2005
Das Buch stinkt:-). Besser: Im Buch stinkts gewaltig: Die Historikerin Clare Clark lässt uns in eine völlig neuen Geruchswelt schnuppern - nämlich die der Kloaken, der Abwasserkanäle Londons vor der großen Sanierung durch den Ingenieur Joseph Bazalgette. Clarks Held, der Vermesser William May, treibt sich dort mit Vorliebe herum, ebenso wie ein Rattenfänger namens Tom und andere, die mehr zu verbergen haben. 

William May kehrt traumatisiert als Kriegsveteran aus dem Krim-Krieg zurück. Er beginnt als Vermesser für das Großprojekt von Bazalgette zu arbeiten. Das gesamte Abwassersystem Londons ist am Zusammenbrechen, schon dreimal hat die Cholera in der britischen Metropole gewütet. Das Abwasser verseucht die ganze Stadt. Die Themse ist eine riesige stinkende, giftige Kloake. Bazalgette erhält nach einem katastrophalen Sommer, der als The Great Stink in die Geschichte eingehen wird, endlich die notwendigen Gelder zur Sanierung des Systems - und May bekommt eine Aufgabe. Er soll das geeignete Material für die Ziegel recherchieren, um die geplanten riesigen neuen Kanäle zu bauen. May arbeitet zielsicher und zuverlässig. Gleichzeitig flüchtet er immer öfter in die stinkenden Kanäle, um sich mit einem Messer wieder und wieder selbst zu verletzen - das Trauma des Krieges lässt ihn nicht los.

Als in den Kanälen ein brutaler Mord geschieht, gerät er durch sein zerstörerisches Verhalten, aber vor allem aufgrund einer hinterlistigen Intrige unter Verdacht und wird erst in eine Irrenanstalt, später auf ein Gefängnisschiff gebracht.  Der Galgen scheint ihm sicher. Jeder, selbst seine Frau, glaubt, dass er der Mörder ist. Es ist fast zu spät, bis er das Ausmaß dieser Intrige versteht und den wahren Mörder erkennt. Jetzt heißt es, jemand von seiner Unschuld zu überzeugen, der ihm helfen wird…

Clarks Vermesser sollte als Roman, nicht als Krimi gelesen werden. Ein Roman über einen Mann, den die Schatten der Vergangenheit, das Töten müssen im Krieg, nicht los lassen.  Ein Roman über London im 19. Jahrhundert, über die Armut und den Mut der “kleinen Leute”, alles für ihr Überleben zu tun. 

Mir hat das Setting, also die Geschichte um das ambitionierte Projekt Bazalgettes sehr gefallen. Schließlich ist der Mann in die Geschichte eingegangen, weil er die sanitären Anlagen einer Großstadt vor dem Überlaufen gerettet hat:-). Clark lässt uns sehr eindrücklich am “Great Stink” teilhaben - und nicht nur einmal kräuselte sich angewidert meine Nase, weil sich die Gerüche Londons in meinem Kopf ausbreiteten…
Fazit: Lesen - und einmal in Berlin oder Wien die Unterwelten erkunden - spannend (und keine Tortur mehr für die Nasen!)

Zwischen Gott und der See

Aus persönlichen (und durchaus nicht unerfreulichen) Gründen beschäftige ich mich in diesem Jahr mit der Mercatorprojektion. Mit Schwung habe ich mich daher auch auf die Lektüre von Vermeulens Roman über das Leben des Kosmografen Gerhard Mercator gestürzt: Zwischen Gott und der See. Über das Leben und Werk des Gerhard Mercator.

Mercator ist zweifellos eine faszinierende Persönlichkeit. Er lebte in einer Epoche des Umbruchs, der Protestantismus begann gerade zaghaft, in Europa Fuß zu fassen. Erstaunlicherweise fuhr Mercator, der so Bahnbrechendes für die Seefahrt geleistet hat, nie selbst zur See.
Auf jeden Fall bietet sein Leben beste Voraussetzungen für eine lesenswerte Biografie. Dennoch stellt sich das rechte Lesevergnügen nicht ein. Spannend ist das Buch, was die Fakten betrifft. Die erfundene Handlung rund um Mercators Familie wirkt leider viel zu konstruiert und lässt das 16. Jahrhundert nicht wirklich lebendig werden.

Seite 1 von 1 Seiten insgesamt:

Frauen und andere KatzenFrauen und andere Katzen.

Kurzgeschichten, Märchen und erotische Erzählungen.

Taschenbuch mit Geschichten, die auf katzenfrau.de veröffentlicht wurden. (6,60 Euro - 104 Seiten, erschienen im Juni 2000, online bestellen)

 

Frisch im Blog:

 

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