Der Sommer ist kalt.

Was tue ich also? Ich kaufe Strumpfhosen, ein oder zwei Paar nur, und schmeisse die hinten in den Schrank, um sie niemals auch nur auszupacken.

Das mache ich seit Jahren so. Hinten im Schrank liegt eine Studie in Nylongemisch, an der man wunderbar Moden und Verpackungstrends festmachen kann.

So klar war mir das aber gar nicht, bis ich heute zu einer Handvoll neuer Strumpfhosen greifen wollte und dann dachte: Moment. Da war doch was. Zum Beispiel trage ich die Dinger gar nicht. Und außerdem war da noch was.

Das Strumpfhosengrabmal im Schrank nämlich. Ein Symbol meiner freiberuflichen Freiheit, sozusagen: Ich habe keinen Anlass, mich in verhasste Kleidungsstücke zu zwängen, weil ich nichts tun muss, das ich nicht tun will - und wenn ich keine Strumpfhosen tragen will, kann ich mein Leben mühelos so einrichten, dass ich es nie muss. OK, vorher habe ich natürlich auch keine getragen. Aber da hätte ich sicher manchmal gesollt und habe das einfach ignoriert und es riskiert, den Halt der Halterlosen zu verlieren, was auch immer mal geschah.

Strumpfhosen sind wie der Schal, den man geschenkt bekommt und für den man sich höflich bedankt. Obwohl man weiß, dass dieses kratzige braune Vieh nie ausgeführt werden wird.

Schön wäre es natürlich gewesen, ich hätte nicht erst noch acht Jahre lang immer weiter welche gekauft, obwohl ich in jedem Zweifelsfall lieber nackte Zehen in Schuhe jeder Art stecke. Erziehung halt, die Lehre vom damenhaften Benehmen.

Aber hey. Was ist schon perfekt.